Taschengeld

14. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Verhandlungen dauern schon länger an, aber nun scheint der Anreiz, die Comfortzone zu verlassen und zu arbeiten, groß genug zu sein. Das will ich wohl auch meinen, denn immerhin geht es um die Stars einer Serie, die Generationen von Informatikern, Chemikern, Bibliothekaren, ach, was rede ich, Männern begeistert hat und immer noch begeistert, die Helden von Star Wars, leider nur in Form von Sammel-Karten mit obskuren Punktwerten, also quasi eine Art Autoquartett für Weltraumfahrer. Die Begeisterung hält den kleinen Riesensohn schon seit längerem (s. Artikel: Ich bin der Chef) gefangen, wenngleich er noch keinen der Filme gesehen hat, aber er besitzt, dank diverser Freunde, die ihre Doppelt- und Dreifachkarten verschenken, schon einen kleinen Stapel Sammelkarten.

„Mama“, sagt der kleine Riesensohn, als wir letzte Woche zusammen am Abendbrotstisch saßen und ich ihm offenbarte, er könnte sich eine Kleinigkeit aussuchen, wenn er bei der U9 gut mitmache, „warum immer nur eine Kleinigkeit, nie darf ich was Großes!“

„Schatz, große Sachen darfst du dir wünschen oder sparen, dann kannst du sie selber kaufen. Nach dem Sprachtest darfst du dir eine Kleinigkeit aussuchen.“

„Dann will ich Star Wars-Karten“, sagt Melek und beißt ins Käsebrot.

„Nee“, entfleucht es meiner Kehle, „das bezahle ich nicht.“

„Wieso denn nicht?“

„Das ist reine Abzocke gutgläubiger kleiner Jungs“, erläutere ich ernst.

„Du hast schon ganz viele Karten“, sage ich. Hat er tatsächlich. Alle geschenkt. Und alle verstreut im ganzen Haus.

„Wenn du die Karten haben willst, kannst du arbeiten, dann bekommst du Taschengeld und dann kannst du die selber kaufen.“

Vor einer Woche wollte er sich noch nicht so ganz darauf einlassen, aber nun ist die Piratenklappe dazu gekommen, sozusagen der letzte Stein auf dem Berg der Sehnsucht. Die Klappe wird un.be.dingt gebraucht für die Karnevalsfeier im Kindergarten.

„Schatz, die Klappe malen wir auf dein Auge, das ist viel besser als eine echte, dann siehst du wenigstens etwas.“

„Ich will aber eine echte.“

„Dann…“, hebe ich an, doch die Saat ist bereits aufgegangen.

„Ich kauf die dann eben selber“, sagt der kleine Riesensohn entschlossen.

„Gut, ich schlage Staubsaugen vor. 50 Cents fürs Wohnzimmer und weitere für den Flur.“

Melek bekommt große Augen.

„Was bekomme ich, wenn ich ALLE Zimmer staubsauge?“

„Nun“, bremse ich seinen Eifer, „erstmal das Wohnzimmer. Und dann sehen wir weiter.“

Mit dem Geld in der Hand eröffnet sich der weite Raum der Finanzwelt. Aktuell hat übrigens Star Wars die Piratenklappe wieder vom ersten Platz gekippt. Heute ist das Badezimmer dran. Mit Staubsaugen. Und dann können wir schon fast ein Päckchen Sammelkarten kaufen.

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