Schachmatt

20. Februar 2012 § Ein Kommentar

„Mama? Wieso ist da ein Eimer neben deinem Bett?“

„Falls ich kotzen muss.“

„Und wieso ist da keine Kotze drin?“

„Bis jetzt habe ich es immer bis zum Klo geschafft.“

„Heute au-auch?“

Kinder sind so detailversessen.

Am Sonntag habe ich den besten Ehemann der Welt vom Vater-Sohn-Wochenende zurückbeordert (es war dann doch Maxe, den der Ehemann mitgenommen hatte, weil Sohni nach Aussagen der Erzieherin am Vormittag eine schlappe Phase hatte) und um halb elf lag ich im Bett. Um 23 Uhr war ich mal kurz in der Küche. Nicht einmal einen Schluck Tee hat mein Magen akzeptiert. Ich hoffe mal, dass die vorabendliche Mischung aus Gurken, Blaubeeren und Möhren meinen Bauch überfordert hat und nicht ein schlimmer Virus.

Heute vormittag hörte ich alle Geräusche eines überforderten Ehemannes von meinem Krankenlager, nachdem ich mutig die Ohropax entfernt hatte: Maxe heult. Ehemann schimpft: „Kannst du nicht mal ir-gend-etwas machen, ohne gleich zu heulen?“ Maxe heult weiter. Ehemann nimmt Maxe. Sohni heult. Maxe heult. Ehemann droht: „Hör auf damit!“ Ich vermute, dass Maxe haut. Melek heult auch. „Wieso zum Kuckuck“, denke ich schwach, „gehen die nicht auf den Spielplatz?“

Der Ehemann ist halt lieber drin, die Kinder meckern, heulen, schimpfen und jammern. Merke: Jedes Kind muss zweimal am Tag frische Luft atmen und laufen. Dient dem Wohlbefinden. Dem der Kinder und dem eigenen. Flache Lernkurve würde ich sagen.

Zum Mittagsschlaf schaut der Ehemann in mein Krankenlagerzimmer. Ich lerne gerade Beispiele für mechanische Isolationsmechanismen. Wenn zwei Schneckenarten zum Beispiel unterschiedlich gewundene Gehäuse haben, können sie nicht, selbst wenn sie wollten.

„Bist du fit?“ Irre ich mich oder klingt es wie ein Befehl?

„So einigermaßen“, seufze ich, die Ketten des Sklavenschiffes beginnen zu klirren.

Das wird als „Ja“ gewertet, und ich übernehme die Aufsicht des großen Sohnes, während die müden Männer zu dritt im Ehebett schlummern.

„Danach gehe ich in die Sauna?“ fragt der ansonsten beste Ehemann der Welt. Aber soweit würde ich dann doch nicht gehen, und werte dies mal gutmütig, wie ich bin, als rhetorische Frage.

 

 

 

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