Hinkebein

22. Februar 2012 § 4 Kommentare

Am Wochenende vor dem Schachmatt war ich mit Melek und Sohni im Museum, ausgestopfte Tiere begucken. Ab und an treffe ich Menschen aus meinem Leben vor der Familienphase.

Carina zum Beispiel. Neben der habe ich mal neben einem Botanikpraktikum gesessen, ganz grün sind wir uns in diesen vier Wochen nicht geworden, aber ganz schlimm fanden wir uns auch nicht. Schon damals fürchtete ich mich ein wenig vor ihrer gradlinigen Dynamik.

„Boh“, sage ich, als wir uns auf dem Museumsklo begegnen, Melek befindet sich in einer Kabine, Carinas Kind, das größte, in der anderen, „sind das alles deine Kinder?“

Ich habe zwar auch drei, aber ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass man freiwillig innerhalb von fünf Jahren drei Kinder hintereinander bekommt.

„Ja“, sagt sie und lacht.

„Wolltest du nicht promovieren?“

„Ja“, sagt sie, „mache ich auch. Und du?“

„Äh“, sage ich, „ich mache in diesem Jahr meine Abschlussprüfungen.“

„Und dann Diplom?“

Ich nicke und fühle mich plötzlich ganz klein. Und dumm.

„Und wie schaffst du das?“ Die Neugier siegt.

Carina lacht: „Mit einem straffen Zeitplan.“

„Und wollt ihr noch mehr Kinder?“

„Ohja, eines hätte ich schon gerne noch“, sagt sie, „aber mein Mann will eigentlich nicht. Naja, vielleicht später.“

„Nicht vergleichen“, mahne ich mich auf dem Rückweg zum Pausenraum, wo Melek die Garderobe hinaufklettert, „die ist einfach tougher als du.“ Sohni schlingt sein Händchen um meines, Melek sucht den Fahrstuhl. „Und anderseits“, überlege ich weiter, „finde ich das auch vollends symphatisch, „vier Kinder, wow!“ Ich ziehe einen großen Hut. Und finde darunter meinen.

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§ 4 Antworten auf Hinkebein

  • Katrin sagt:

    Liebe Mara, ich kenne das ja soooo gut! Ich sage mir sehr oft, dass man sich nicht mit anderen Müttern vergleichen darf. Ich traf vor kurzem eine Mutter mit 4 Kindern vor der Kita, die mir nach einem kurzen Small-talk mitteilte, dass sie an Kind 5 arbeiten. Ich fragte mich, warum man sich diesen Stress freiwillig antun will – irgendwann möchte man doch den Wickeltisch auf den Müll werfen und auch mal wieder Frau sein können. Jedem also das Seine. Mir reichen zwei. In diesem Sinne eine schöne Woche!

    • mara sagt:

      Ui, so eine Frau kenne ich auch. Wichtig ist, denke ich, dass man mit sich im reinen ist. Ich frage mich dann: Will ich so leben? Und dann bin ich plötzlich wieder zufrieden 🙂 . Liebe Grüße an deine kleinen Könige! 😉

  • lotterleben sagt:

    Kenn ich auch 😉 (aka Doktormutter, die auf dem weg zur feldsaison mit zwei Kindern auf dem Flughafen („da hat man ja immer ein paar Stunden Leerlauf“) noch schnell ein halbes Paper schreibt….). Gibt einfach Leute, die haben einfach 3 Gehirnzellen mehr und sind noch besser (;-)) organisiert… Und man selbst fühlt sich ganz klein und unfähig…

  • mara sagt:

    Ooch, das Dummfühlen dauerte nur ein paar Minuten, ich habe mch dann darauf besonnen, dass ich vermutlich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringe, noch Zeit finde, zu malen und zu schreiben, also jetzt nicht, um die andere Dame abzuwerten, sondern dass ich mir sagen kann: Die Sachen sind mir auch wichtig. Und das mit den Gehirnzellen, das ist wohl einfach so. Immer langsam voran … 😉

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