Selbstständig

28. Februar 2012 § 6 Kommentare

Gestern war das Gespräch mit den Erzieherinnen der Elefantengruppe, und wir haben zu dritt über den Entwicklungsbögen der Zwillinge gesessen. Da war ziemlich wenig angekreuzt, im Oberkasten „Sprache“ sogar gar nichts.

Stimmt ja auch. Maxes Wortschatz beschränkt sich auf Bär, Tütüt, Miauuuu, Wau und Mama und Papa. Sohni bekommt immerhin schon ein „Melle“ hin, achja, und „Miii“ sagen auch beide.

Ansonsten hätte ich persönlich auf dem Entwicklungsfragebogen viel mehr angekreuzt, aber Diskutieren half nicht, sie sollen das Verhalten auch im Kindergarten zeigen.

Besonderen Augenmerk soll ich auf die Wahrnehmung ihrer Körperwahrnehmung legen, indem ich sie zum Beispiel auf unangenehme oder angenehme Empfindungen hinweise. „Fühlt sich nicht schön an, die volle Büx, oder Sohni?“

„Aber da tue ich!“ erkläre ich der Erzieherin, die mir meldet, dass die beiden sich nie melden, wenn etwas unangenehm Riechendes in der Büx gelandet ist. Aber eben nicht dort. Naja.

Außerdem muss ich jetzt wohl doch mal den Hörtest anvisieren. Nachdem sich Maxe während Sohnis Abwesenheit (Papa-Zeit) zu einigen neuen Silben durchgerungen hat, hatte ich ehrlich gesagt, gehofft, diesem Termin zu entfliehen. Wer schon einmal mit Zwillinge beim Ohrenarzt war, wird mich verstehen. Aber gut. Dr. Baumfuß soll toll sein, da kann ich ja noch hoffen.

Und schließlich und endlich werden die beiden nach den Sommerferien in verschiedene Gruppen gehen. Maxe wird in die Mondgruppe umziehen, die ist am weitesten weg von der Elefantengruppe… Die Gründe sind klar: Die beiden spielen nur zusammen, nehmen keinen Kontakt zu anderen Kindern auf und einer der Gründe für ihr Sprechverhalten könnte eben darin bestehen, dass sie sich untereinander quasi wortlos verstehen. Ein Blick genügt und sie wissen, was der andere vorhat. So schildert es jedenfalls die Erzieherin. Das mag sein, ähnliches habe ich schon allgemein über die Entwicklung von Zwillingen gehört, aber … puuh. Und die Umgewöhnung?

„Ganz langsam“, sagt Frau Busch, „den ersten Kontakt nimmt die Frau Jäger schon auf und bis zum Sommer ist ja noch lange hin.“ Ich soll auch ab und an einmal in der Mondgruppe aufkreuzen, damit die Zwillinge sich das angucken können. Frau Jäger habe ich kennengelernt, als sie letzte Woche Kontakt zu Maxes Po aufgenommen hatte, er lag vor ihr auf dem Wickeltisch, als ich ihn abholen kam. Maxe sah wenig begeistert aus, dass eine fremde Frau in seiner Windelregion herumwischte, aber immerhin ließ er es geschehen. Dann haben Frau Jäger und ich uns über Friseure unterhalten (ich mag ihre Frisur) und bei der Gelegeneheit festgestellt, dass wir auf einer Wellenlinie funken. Von mir aus also gibt es grünes Licht für die Mondgruppe, und ich kann mir gut vorstellen, dass die Trennung der Zwerge ihnen weitere Entwicklungsräume eröffnet.

Einen Rat habe ich dann auch noch nach Hause bekommen, als ich fragte, wie zum Geier ich den Zwillingen das nächtliche Gejammer abgewöhnen kann.

„Wieso jammern sie denn?“ fragt Frau Busch.

„Bei Maxe ist der Hasi weg, und bei Sohni fehlt ein Schnuller (von dreien, Anm. der Autorin).“

„Und was machen Sie dann?“

„Ich suche das Zeugs“, sage ich, „ich will weiterschlafen.“

„Dann sagen Sie den Jungs das nächste Mal, sie sollen selber suchen.“

Das habe ich gemacht. Gestern. Sohni warf seine Schnuller fort und jammerte dann, weil er sie nicht wieder gefunden hat.

Das erste Jammern habe ich ignoriert, habe bis 157 gezählt und dann ist er wieder eingeschlafen. Das nächste Jammern war laut. Sehr laut.

„Schatz“, sage ich, „such doch mal selber.“

Empörte Kinder um vier Uhr morgens sind schwer zu ertragen. Ich schiebe ihm heimlich einen Schnuller vor die Nase, ich habe immer Ersatz in der Bettenritze. Das nächste Jammern war noch erbärmlicher und als ich dann mal ins Bad entschwand…

Um fünf Uhr morgens gebe ich auf und biete dem Knaben eine Armkuhle an. Verschlafe den Wecker um sechs, indem ich mehrmals auf die Snooze-Taste drücke. Um sieben Uhr dreißig fällt mir ein, dass ich einen Termin bei der Polizei habe und stehe schlaftrunken auf.

Kindererziehung ist eine echt müde Angelegenheit.

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§ 6 Antworten auf Selbstständig

  • Kalliope sagt:

    Habe ich das richtig verstanden, der eine Zwillingssohn soll in eine neue Gruppe und der andere darf in der gewohnten bleiben? Ist das nicht wie eine Bestrafung ohne Grund für den „Abgeschobenen“? Sollte man dann nicht beide in eine jeweils neue Gruppe stecken, damit beide quasi die gleichen neuen Startbedingungen bekommen?

  • mara sagt:

    Ein sehr guter Gedanke! Das ist auch meine Hauptsorge gewesen. Bis zum Sommer ist es jedoch noch wirklich lange hin, die Eingewöhnung beginnt jetzt schon, wenn sie getrennt werden, sind sie schon drei und die Erzieherinnen der Mondgruppe freunden sich jetzt schon mit ihm an. Umgruppierungen sind wohl nicht so unüblich (die Gründe sind verschieden) und verlaufen in aller Regel gut. Von daher bin ich da entspannt. Und beide in neue Gruppen? Das wäre vielleicht eine Möglichkeit, aber es geht auch immer darum, was für ein Kind in Alter und Geschlecht in welche Gruppe passt. Liebe Grüße, Mara!

  • Kalliope sagt:

    OK, wenn es schon so weit im Vorfeld vorbereitet wird, klingt das natürlich schon ganz anders…:-) Wünsche beiden ein gutes Um-/Eingewöhnen in die neue Situation. Liebe Grüße zurück!

  • mara sagt:

    Gestern war Maxe schon freiwillig in der Mondgruppe, heute waren wir da und waren Zeuge, was mit einem Toaster passiert, in dem ein Knäckebrot getoastet wird. Das war spannend, vor allem wie Frau Jäger auf Tisch und Stuhl geklettert ist, um die Batterien aus dem Feuermelder zu fuddeln. Am Montag ist wieder Besuchstag dort.
    Also alles easy, liebe Grüße, Mara

  • Silke sagt:

    Wir hatten auch einen Wechsel von Zwilling1 in eine andere Gruppe, waehrend Zwilling2 geblieben ist. Kein Problem – wobei wir uns mit dem Kiga darauf verstaendigt hatten, dass der „offenere“ Zwilling wechselt.

    Zu den Schnullern: nachts mindestens ein halbes Dutzend *im* Kinderbett lagern. Dann findet das Kind immer noch einen, wenn der aktuelle in hohem Bogen das Bett verlassen hat. (analog koennte man das Kuscheltier mit einer Schnullerkette am Kopfkissen/Schlafsack befestigen)

    • mara sagt:

      also mit dem umgewöhnen mache ich mir echt keine sorgen, auch wenn sohni der offenere ist. die gruppenwahl ist aus verschiedenen erwägungen wirklich die richtige. und zu den schnullis: sohni liegt nun mit fünf schnullern im bett (einen wollte maxe haben)… ich werde berichten…

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