Ehrlichkeit

27. März 2012 § 5 Kommentare

ist ein Wert, der mir sehr wichtig ist. Blöderweise macht Strafe Druck und unter Druck verändern sich nicht nur Steine, Bäume und Gletscher, sondern auch Menschenkinder. Sie fangen an zu lügen.

Also gibt es keine Strafe. Nur sehr selten. Und wenn, dann mit Erklärung. Es gibt jede Menge logische Konsequenzen (einen Begriff, den ich sehr liebe), aber das ist wohl ein anderes Thema.

„Was ist passiert?“ versuche ich daher so neutral zu fragen, wie es geht, wenn vor einem ein heulender, verrotzter Zweijähriger steht, der mit den Fingerchen auf Melek zeigt.

„Ich habe den die Rusche runter geschubst!“ kommt es fröhlich von eben dort, nicht die Spur eines schlechten Gewissens!

„Weil der mich eben auch geschubst hat!“

Was sagt man denn dann?

Die Erzieherin hat mir den Knaben (denselben!) als zurückhaltenden, höflichen Jungen beschrieben, der unbedingt noch lernen sollte, sich nicht alles gefallen zu lassen. Aber muss er denn zu Hause üben? Und was sage ich ihm, wenn Sohni ihn die Rutsche herunterschubst? Kann der das überhaupt? Von Gewicht und Größe her kann ich mir das kaum vorstellen. Achja, die Erziehungsleistungen werden komplexer…

Einen Lichtblick gibt es aber: Man kann mit Melek reden.

„Melek“, sage ich, als er aus dem Spielehäuschen schaut, „ich muss mit dir noch reden.“

„Wieso, Mama?“ fragt er unschuldig. Echt unschuldig. Verwirrt sehen mich blaue Augen an.

„Wir machen das nachher unter vier Augen, wenn Fabi uns seine Mama weg sind.“

„Wir können das gerne vor denen bereden, Mama.“

„O.k.“, sage ich, „du hast vorhin nicht auf mich gehört, und deshalb bin ich sauer.“

„???“

„Ich habe am Spielplatz gesagt, dass du stehen bleiben sollst, weil wir zusammen gehen, aber du bist weiter gerannt.“

Die Adam-Strategie: „Der Fabi hat auch nicht angehalten!“

„Das ist mir wurst, was der Fabi macht, du bist mein Sohn, und ich will, dass du auf mich hörst.“

„Aber der Fabi…“

„Melek!“

Er schaut betrübt.

Ich sehe ihn an: „O.k., mein Lieber, ich bin jetzt nicht mehr böse, aber nächstes Mal hörst du bitte.“

Manchmal staune ich, wie leicht das geht.

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§ 5 Antworten auf Ehrlichkeit

  • Frau Muschel sagt:

    Hm, ich bin auch kein Freund von Strafen, manchmal gibt es aber dennoch (ok meine großen Jungs sind etwas älter) PC Verbot, und das nur wenn die Jungs sich auch der Schuld bewusst sind.
    Strafe, das Wort allein finde ich schon doof, ist bei uns eher eine Konsequenz.
    Beispiel: (Vorweg, ich habe noch nienienie mit meinen Söhnen wegen einer verkackten Schularbeit geschimpft, nur mal zur anmerkung) Sohn ganzGroß verschwieg mir eine verhauene Mathearbeit. Da er weiß, dass ich nienienie mit ihm schimpfe, hätte er offen sein können! (ok er ist 16 und sehrsehr schwankend im Gefühl ;))
    Nein er log mich an, und daraus entstanden 2 Tage PC Verbot, fertig.
    Denn ich lass mich nicht gerne anlügen, schon garnicht wegen so einem Mist, und er hätte sich das Verbot auch sparen können.
    Ich erklärte, er verstand.
    Natürlich wäre ich NICHT vor Freude aus den Hosen gehüpft, wegen dem Test, und hätte bestimmt ein „Das hätte nicht sein müssen“ gebrummt (oh Gott ich klinge wie meine Mutter!!)

    Aber ich denke das die 2 Tage Verbot ganz gut gewirkt haben, zumal er es auch absolut eingesehen hat und keine Einwände hatte.
    Er verstand das es nicht wegen der Arbeit, sondern wegen der Lüge so war, und meinte, er könne sich selbst in den Hintern beissen, weil er nicht nachgedacht hatte.

    Tja so ist das manchmal 🙂
    Er liebt mich trotzdem *kicher*

    Liebgruß und Sorry wegen des Romans jetze 🙂

  • Andrea sagt:

    Hinterher rauszufinden, was passiert ist, ist manchmal nahezu unmöglich. Und dann soll man richtig darauf reagieren…

  • mara sagt:

    Hallo, Muschelfrau, ich sehe das ganz ähnlich, Strafen sind selten, aber Lügen wird bestraft. https://zwillingsblog.wordpress.com/2012/01/27/lieber-ehrlich/ habe ich schon einmal etwas darüber geschrieben.

    Andrea, mir fällt da nur Videoüberwachung ein… In solchen Situationen sage ich aber auch ehrlich, dass ich es nicht gesehen habe und daher nicht beurteilen kann. (Schön, dass es wieder klappt.)

  • Andrea sagt:

    Mein Bild ist zwar weg, aber ich bin wieder da…
    Videoüberwachung ist eine gute Idee, aber viel teurer als Ehrlichkeit, und irgendwie finde ich es verwerflich mein Kind mit der Kamera zu beobachten.

  • mara sagt:

    Besser das Bild als die Andrea, und ja, das ist verwerflich. Mit Unsicherheiten müssen wir halt leben.

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