Bauchschmerztagebuch

29. März 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der kleine Riesensohn klagt schon seit Ewigkeiten über Bauchschmerzen bzw. immer mal wieder. In letzter Zeit häufen sich die Klagen, und ich nutze die U9, um den Kinderarzt zu fragen.

„Ich habe schon überlegt, ob er eine Allergie hat, weil ich doch auch eine Milcheiweißallergie habe“, ergänze ich meinen Bericht.

Der beste Kinderarzt der Welt nickt, „das könnte eine Spur sein“, schlägt dann aber ein Bauchschmerztagebuch vor. Das mag ich so an dem, dass man vorsichtig an die Dinge herangeht, nicht nachlässig, sondern umfassend und sorgfältig.

Wir bekommen zwei Zettel mit nach Hause, auf denen bunte Figuren lächeln oder traurig schauen, und mehrere Fragen, die man beantworten soll.

Gestern morgen war es dann soweit, der kleine Riesensohn klagt über Bauchweh, „so da!“, einmal um den Nabel herum. Schmerz verzieht sein Gesicht. Oha. Ich denke an Blinddarmdurchbruch, Magen-Darm-Infektion und… hole die bunten Zettel.

„Hier“, erkläre ich dem kleinen Riesensohn, „das ist dein Bauchschmerztagebuch.“

„Ich habe keine Bauchschmerzen“, jammert Melek.

„???“

„Ich habe Bauchweh!“

„Okee“, sage ich, „Bauchweh ist ein anderes Wort dafür. Hier schau mal, da kannst du ankreuzen, wie dolle das wehtut.“ Es gibt mehrere Kästchen, rot steht für starke Schmerzen, grün für gar keine. Dazwischen gibt es gelb und orange in verschiedenen Abstufungen.

Der kleine Riesensohn kreuzt rot an.

Ich lese weiter: „Hattest du heute ein schönes oder ein unangenehmes Erlebnis?“

Der kleine Riesensohn schüttelt den Kopf.

„Ich meine“, insistiere ich, „hast du dich über irgendwas geärgert? Oder vor etwas Angst? Oder bist du traurig? Oder freust du dich ganz dolle über irgendwas?“

Erneutes Kopfschütteln.

Ich kreuze nein an und lese weiter: „Was könnte dir jetzt helfen?“

Melek schaut mich ratlos aus blauen Augen an, und mir kommt eine Idee, die ich gleich teste:

„Ein warmer Tee, zum Beispiel, oder ein Zwieback oder vielleicht ein Mama-Tag?“

Bing! Die blauen Augen leuchten: „Ein Mama-Tag!“

Ich schreibe die Antwort in den dafür vorgesehenen Kasten.

„Und wie sehr hilft das?“ frage ich weiter. Jetzt kann er wieder ankreuzen und muss sich für einen Farbwert zwischen rot und grün entscheiden. Melek kreuzt ohne zu zögern grün an. Die Bauchschmerzen sind jetzt schon weg!

Ich bin beeindruckt, aber einen ganzen Tag mit Melek, das geht nicht, ich muss noch lernen und habe einen Termin. Zwei Runden Memory reichen dann aber vollauf und mit einem ganz gesunden, schmerzfreien und glücklichen Kind mache ich mich – etwas später – auf den Weg in den Kindergarten.

 

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