Warp-Antrieb

18. April 2012 § 3 Kommentare

„Halt“, sagt der Fahrradverkäufer, der seit zwei Stunden an meinen Rädern herumschraubt. Eines ist alt und eines ist neu, nagelneu sozusagen. Ich will es nur eben abholen. Sohni habe ich mitgenommen, der Rest der Meute ist Beute erjagen. Aber die Umrüstung ist komplizierter als gedacht und im geheimen fürchte ich, der gute Mann bereut, dass er die Schrauberei („Mal eben schnell.“) übernommenn hat.

Da wäre ersteinmal der Sattel, den ich natürlich nicht wiederhergeben will, ein Damensattel von Brooks, den mir der beste Ehemann der Welt vor annähernd hundert Jahren geschenkt hat, damit ich keine Hornhaut am Hintern bekomme. Brooks-Sättel sind aus Leder und wundervoll gefedert, aber leider kämpfen nun die Federung und die Stützstangen des Römer-Kindersitzes, der über dem Gepäckträger schweben soll, um den knappen Luftraum. Es quietscht so ohrenverachtend, wenn die Sattelspiralen auf die Stützstangen federn.

Der netteste Fahrradverkäufer der Welt schiebt also die Sattelstange samt Brooks-Sattel immer höher, bis ich Bedenken äußere, ob ich wohl noch an die Pedalen komme? Naja, verkünde ich tapfer, dann trage ich eben Plateauschuhe. Es geht dann aber doch irgendwie. Die Kupplung für den Kinderfahrradanhänger ist bereits ummontiert und nun will mir Herr Radel „noch schnell“ erklären, wie ich an die Akkus komme. Die sind nämlich auf oder vielmehr unter dem Gepäckträger montiert (der aufmerksame Leser ahnt, dass der Römerkindersitz nicht mehr viel Platz zum Federn hat, aber die gruseligen Geräusche kollidierenden Metalls, wenn Sitz auf Gepäckträger knallt, konnten durch die Schaumstoffmatte, die Herr Radel unter den Kindersitz geschoben hat, um 90% gedämpft werden).

Wie komme ich also an den Akku?

Herr Radel versucht den Schlüssel in das Akkukofferschlüsselloch zu schieben, aber der Kindersitz verhindert eben dieses. Also nochmal: Kindersitz verschieben, bis es passt. Es ist viertel vor acht. Eigentlich müsste Sohni schon längst im Bett liegen. Ich besteche ihn mit einer Packung Mini-Zwieback, nach deren Verspeisung er sich mit dem hölzernen Puky-Dreirad in den hintersten Winkel des Ladens verdrückt. Alle professionellen Mütter ahnen, was er dort treibt. Ich darf ihn schließlich auf der Ladentheke wickeln und versuche dabei, weder Kaffeekasse noch Fahrradschlösser hinunterfallen zu lassen.

Endlich will ich gehen, vielmehr fahren, aber…

„Halt“, sagt der Fahrradverkäufer, der seit zwei Stunden an meinen Rädern herumgeschraubt hat, „jetzt kommt noch das Wichtigste.“

„Ah!“ rufe ich, „der Warp-Antrieb!“

Nicht direkt. Es ist das Ladegerät für den Warp-Antrieb. Der steckt im Akku, der meinen Fahrradmotor anfeuert. Und endlich bin ich wieder mobil, das Fahrradfahren, das ich in meiner Vor-Kinder-Zeit bzw. in unserer Ein-Kind-Zeit so gerne betrieben habe, wird wieder möglich, ohne dass meine Kniescheiben knirschen. Ein 15 Kilo-Kind, ein 14-Kilo-Kind und ein Fast-20-Kilo-Kind ergeben nämlich eine ziemliche Masse.

Jetzt fahren zwei im Anhänger und eines im Römer-Kinder-Gepäckträger-Sitz, am besten ein Zwilling, denn zwei Zwillinge im Fahrradanhänger erreichen die Dezibelzahl eines Rockkonzertes und ohne Rückspiegel kann ich nicht beurteilen, wer jetzt wem zuerst das Knie in den Oberschenkel gerammt hat.

Jetzt sind wir wieder mobil! Spielplätze, wir kommen! Und Sommer, bitte komm du auch!

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§ 3 Antworten auf Warp-Antrieb

  • Andrea sagt:

    Gratuliere zum Fast-Warp-Antrieb!
    Bei so viel „Gepäck“ macht ein bißchen zusätzliche Schubkraft sicherlich Sinn. Ich drücke die Daumen, dass das mit dem Sommer auch endlich klappt.

  • mara sagt:

    Aber holla! Ich erweitere meinen Radius um 10 Km! Ist der Sommer bei euch denn schon da? Schick mal ein bisschen rüber. 😀 Liebe Grüße

  • Andrea sagt:

    Wir haben hier noch Nachtfrost. Den schicke ich zwar auch gern weiter, aber ich bezweifle, dass ihr ihn haben wollt ;-).

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