Männer haben einfach andere Prioritäten

19. April 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Leider. Ich merke das schmerzhaft, wenn ich „Blumenerde“ auf den Einkaufszettel schreibe. Als chronische Nichtautofahrerin bin ich auf den einzigen Autofahrer der Familie angewiesen oder ich transportiere wesentlich kleinere Blumenerdesäcke mühsam per Fahrrad den Berg hinauf.

„BLUMENERDE??“ keucht der ansonsten beste Ehemann der Welt, als hätte ich „Schloss auf Mallorca, Minimum 15 Badezimmer“ auf die Einkaufsliste geschrieben, und zückt den blauen Filzstift, „das streiche ich durch. Die habe ich schon gekauft!“

„Ich brauche aber noch mehr!“ protestiere ich und verweise auf fünf freie Blumentöpfe. Meine Keimlinge sind schon grün und mehrblättrig und müssen umgesetzt werden.

Ist dies derselbe Mann, der eine unschlagbare Summe für Gartenstühle ausgibt, die ich beim nächsten Sperrmüll suchen würde? Ja, ich weiß, Sperrmüll ist eine große Macke von mir, aber wer sich schon einmal in den Straßen der wohlsituierten Mitbürger umgeschaut hat, der weiß einfach, dass dort kaum gebrauchte Holztische und -stühle auf die Straße gestellt werden. „Es geht ja schließlich auch um Müllvermeidung“, argumentiere ich, bin aber leider die einzige in meiner Familie und Bekanntschaft, die diese Einstellung teilt.

Eben diese Holzstühle, erstanden beim großen Möbelschweden („Ich habe dort ganz viele Filme geguckt, Mama, und wir haben Pommes gegessen!“), werden nun Stück für Stück zusammengebaut und zwar am Abend, zwischen 19 und 20 Uhr, während (?) der Ehemann damit beschäftigt ist, ein oder zwei Kinder ins Bett zu bringen. Vorgestern war es ein Kind, das er mit IPad und einem Wickie-Film auf die bereits vorhandene Holzbank gesetzt hat, draußen auf der Terrasse wohlgemerkt, aber immerhin eingemummelt in die Bettdecke. Gestern waren es zwei Kinder, eines davon in Body und Windel und mit Gänsehaut auf den Beinen. Bis er sie ins Haus schickte, wo sie im ehemaligen Ehebett herumtobten.

Wie gut, dass es die polizeiliche Störungsstelle gibt.

„Hallo“, flöte ich ins Telefon, „hier ist die polizeiliche Störungsstelle. Uns liegt eine Meldung vor, dass in der Schönen Straße 48 zwei Kinder im Schlafzimmer herumtoben.“

„Ach“, grumpft es von der außerhäusigen Baustelle.

„Die erreichte Dezibelzahl liegt weit über dem, was die kopfschmerzgeplagte Ehefrau zu ertragen bereit ist.“

„Ich komm gleich rein“, weht es durch meinen Hörer. Draußen ist es windig.

„Herzlichen Dank!“ flöte ich zurück.

Aber: Es ist geschafft. Die Möbel stehen, und ich gebe neidlos zu, dass unser neues Freiluftwohnzimmer wahnsinnig schön aussieht. Jetzt fehlt nur noch die Wärmelampe.

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