Monster, Diebe und Gespenster (Bauchschmerztagebuch Teil 2)

25. April 2012 § 3 Kommentare

„Mama, ich hab Bauchweh“, kommt es fast jeden Abend vom kleinen Riesensohn. Manchmal will er sogar einen Eimer neben sich stehen haben, man weiß ja nie.

Gestern war es wieder soweit.

„Und was könnte helfen?“ frage ich.

„Zäpfchen oder Schmusen“, sagt Herr Bauchweh.

Ich entscheide mich für die sanfte Behandlung: Wir kuscheln.

„Ich kann nicht schlafen“, kommt es aus der Dunkelheit.

„Dann denke an was Schönes“, empfehle ich schlaftrunken.

„Ich hab aber Angst“, der kleine Riesensohn drückt sich an mich.

„Und wovor?“ frage ich.

„Vor Dieben! Und den Monstern! Und Gespenstern! Und den Drogensachen!“

„Ok“, sage ich und lausche auf die Toddler, die beide tief ein- und ausatmen. Der beste Ehemann der Welt ist noch auf der Arbeit, „worüber reden wir zuerst?“

„Drogen!“ sagt der kleine Riesensohn.

„Hast du Angst, dass du krank geworden bist?“ frage ich zurück.

Wir klären das. Wie unwahrscheinlich es ist. Und er hat aufgeschnappt, dass es Kindergärten gibt, in Köln zum Beispiel, wo die Erzieherinnen fast jeden Tag Spritzen etc. vom Gelände entfernen müssen. „Sterben da alle Kinder?“ „Nein“, sage ich, „deshalb wird ja der Kindergartenspielplatz jeden morgen abgesucht: Damit nichts passiert.“

„Und bei uns?“

„Bei euch“, versuche ich zu beruhigen, „gucken die Erzieherinnen auch, ob da was Gefährliches auf dem Spielplatz herumliegt, jeden Tag, bevor ihr rausgeht. Aber Spritzen haben die bei euch noch nie gefunden.“

„Jetzt die Gespenster?“ frage ich.

„Ja!“

„Okay, was machen wir denn heute mit denen?“ Es ist ein häufiger Genuss, die Gespenster zu vertreiben. Das sind Fantasiegespenster, habe ich erklärt, deshalb kann man die mit Fantasiedingen prima vertreiben.

„Ein Käfig!“ schlägt der kleine Riesensohn vor. Gespenster vertreiben macht Spaß, ein bisschen jedenfalls.

„Gut“, sage ich, „hast du dir den Käfig vorgestellt?“

„Jaaa!“

„Dann alle Gespenster dort einsperren! Alle drin? Uuuund Tür zu!“

Melek zückt in Gedanken die Schlüssel und schließt die Gespenster ein. Dann buddeln wir ein großes Loch und versenken den Gespensterkäfig. Puh, geschafft.

Achnee, die Monster!

Die werden in eine Truhe gesperrt und ebenfalls vergraben. Die Diebe kommen in ein Fangnetz und – erraten? – werden ebenfalls verbuddelt. Jetzt ist die Bahn frei für die schönen Gedanken.

„Gab es heute etwas, was du besonders schön fandest?“ frage ich Herrn Fantasie, der schon viel entspannter ist.

Schöne Gedanken, habe ich ihm unlängst erklärt, machen schöne Gefühle, ausprobiert, für gut befunden, jetzt üben wir.

„Heute war ich mit Clemens und Max und Dani und Flo auf dem Spieleschiff! Das war schön! Wir alle zusammen!“ Ich freue mich mit.

Als Melek ruhig und gleichmäßig atmet, suche ich nach einem schönen Gedanken für meine vom Tag aufgewühlte Seele. Mir fällt das nicht (mehr) schwer. Und mit einem schönen Gefühl im Bauch liege ich in meinen Decken und schlafe ein.

 

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§ 3 Antworten auf Monster, Diebe und Gespenster (Bauchschmerztagebuch Teil 2)

  • Monique sagt:

    Ach ja, die abendliche gespensterjagd… Zauberspray aus dem blumensprüher vertreibt die auch ganz hervorragend! Aber nicht vergessen, danach das fenster zu öffnen, damit auch alle verschwinden können! Ob das allerdings auch gegen die drogen-monster hilft? Ich drück euch jedenfalls ganz fest die daumen, dass die blöde spritzen-geschichte keine folgen hat! Grüße, monique

  • Mara sagt:

    drogenmonster sind echt hartnäckig…

  • Frau Muschel sagt:

    *schnüff*

    Was eine Kinderseele so berührt….

    Schön wie Du das mit ihm machst 🙂

    P.S.: Das Fingerbild ist übrigens Weltklasse!!! 🙂

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