Morgenstund…

8. Mai 2012 § 3 Kommentare

Um sechs war ich wach, um sechs Uhr zehn ruft mich mein Wecker: „Seeechs Uuuhr zeeeehn. Zeit aufzustehn! Seeechs Uuuhr zeeeehn!“

Um sechs Uhr dreißig bin ich in der Küche. Pfannkuchen zum Frühstück, mmmh. Das geht so:

Zwei Eier, ein halber Liter Sojamilch (Milcheiweißallergie), 200 gr Dinkelmehl und noch ein bisschen Roggenmehl (Weizenauslassversuch für den großen Sohn), Salz und eine Messerspitze Backpulver. Darauf Akazienhonig und – zur Tarnung – einen Löffel nichtsüße Schokolade (meine Kinder essen alles, was braun und schokoladig aussieht).

Ich freue mich am ersten Pfannekuchen und an meinem Becher ungestörten Morgenkaffee, als die Restfamilie auftaucht.

Zuerst der große Mann, mit Sohni auf dem Arm, der begeistert: „Da!“ ruft, als er seine Mama entdeckt.

Der große Mann setzt Sohni-noch-im-Schlafbody ab und knipst das Licht aus. Stromsparen.

Ich sitze im Dunkeln.

Der große Mann verschwindet im Bad.

Ich sitze allein im Dunkeln.

Melek kommt.

„Wieso sitzt du im Dunkeln?“

„Hallo, mein Lieber“, sage ich, „willst du warmen Pfannkuchen?“

„Auja!“

„Dann zieh dich schonmal an. Willst du dir eine Hose aussuchen?“

Ich reiche ihm eine hinüber: „Die vielleicht?“

„DAS nennst du AUSSUCHEN???“

„Okee“, ich lege die Hose zurück auf die Heizung, wo noch zwei andere liegen, „schau auf der Heizung, da liegen drei.“

„Wieso nimmst du die wieder weg??? Genau die wollte ich haben!!“

„Liegt auf der Heizung.“

„Wieso muss ich mich anziehen und Sohni ist noch gar nicht angezogen???“

Meckerpott.

„Schatz, ich kann nicht alles auf einmal machen.“

„Und du gibst mir nicht mal einen Gürtel!“

Seit wann will er einen Gürtel?

„Sohni, willst du diese Hose anziehen?“ (ich zeige ihm die blaue)

„No!“ (kolumbianischer Einfluss)

„Die?“ (ich zeige ihm die braune.)

„No! Die!“ (zeigt auf die blaue)

Ich ziehe Sohni die blaue Hose an.

Anschließend serviere ich Vollkornpfannkuchen mit Pseudoschoko, jeweils eine Hälfte für  Sohni und Melek.

Sie essen!

Keiner meckert! Ich trinke einen Schluck Kaffee, schließlich muss man jede Gelegenheit am Schopf packen.

Als Maxe später kommt, bekommt er einen ganzen runden Pfannkuchen und ich- erraten?- Gemecker.

„Wieso kriegt der einen ganzen und ich nur eine Hälfte??? Das ist gemein von dir!!“

„Melek“, sage ich, „du hattest schon zwei halbe, deshalb bekommt Maxe jetzt einen ganzen. Und außerdem habe ich jetzt keinen Bock mehr auf Gemecker. Ich bin vor einer Stunde aufgestanden und habe Pfannkuchen gebacken, und du stehst auf und bist nur am Meckern! Das macht mir keinen Spaß!“

Das Gemecker verstummt. Immerhin.

Der große Mann rafft sich auf und bringt die Zwillinge in den Kindergarten.

Ich helfe Melek beim Aussuchen des Spielzeugs. Am Montag ist ja Spielzeugtag. Piratenschiff von Playm*bil oder das aus Styropor? Schwierig.

Mit dem Piratenschiff unter dem Arm erreichen wir die Säbelzahntigergruppe. Zwei glückliche Zwillinge essen „Knackbrot“ (Knägge) und ein glücklicher kleiner Riesensohn sucht seine Hausschuhe.

Ich winke und freu mich dann auf Tasse Zwei, Milchkaffee, ganz meckerfrei.

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§ 3 Antworten auf Morgenstund…

  • aleXXblume sagt:

    Das kommt mir soooooo bekannt vor 😀
    Und glaub ja nicht, dass die Meckerei aufhört! Mein Großer ist elf und meckert immer noch… *eyeroll*
    Wahrscheinlich merken sie erst, was alles gut war, wenn sie auf sich alleine gestellt sind… 😀 Nein, ernsthaft. Ab und zu muss ich es ihnen einfach sagen. Genau so, wie du das tust. Und dann gehts wieder.

  • Marc sagt:

    Woah, Pfannkuchen am Morgen! Hey, irgendetwas muss in meinem Leben total schief laufen… Pfannkuchen bekomme ich noch nichtmal Sonntags in der Früh vor meinem ersten Kaffee hin. Teig machen, Pfanne warm, Zeugs wenden – das klappt unter Koffeinentzug auf gar keinen Fall. Und nach dem ersten Kaffee ist die Gelegenheit zum Frühstücken eh schon wieder irgendwie vorbei. 😉

  • Mara sagt:

    @aleXXblume: ich sehe das so, dass sie noch lernen müssen, ihre schlechte laune oder ihre schlechten gefühle in die richtigen bahnen zu leiten, und deutliche worte tun auf jeden fall not. vor einigen tagen war ich sogar für den regen verantwortlich… also echt.
    manchmal bespreche ich mit dem kleinen riesensohn, was er jetzt tun könnte, damit die schlechte laune weggeht. „schoko und fernsehen“ war die antwort. das muss ich dann noch etwas modifizieren. 😀

    @Marc: ich sehe das pragmatisch: wenn ich pfannkuchen backe, dann spare ich mir tischdecken und abräumen, jedenfalls was die kühlschranksachen angeht ;-), außerdem brot schmieren für die zwillinge und die zeit, die es braucht, um herauszufinden, was sie wollen („willst du das oder das? das? nein? doch das? ja, was denn nun?), also französische pfannkuchen mit schokosauce. oder so. 😉

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