Muttertag

13. Mai 2012 § 3 Kommentare

Der Samstag war der zweite Tag.

Der Dienstreise.

„Papa??“ fragt Maxe und heult.

„Och, Schatz“, sage ich, „der Papa kommt morgen wieder.“

„Audo?“ fragt Sohni.

„Ja“, sage ich, „Papa ist mit dem Auto zur Arbeit gefahren.“

Die Nacht von Sams- auf Muttertag verläuft mies: Maxe wacht dreimal auf: „Hasi?“

Sohni wacht nicht auf, immigriert aber auf meine Matratze. Ich schiebe ihn zurück.

Melek hatte am Abend zuvor Montezumas Rache  und wacht hundertmal auf: „Ich hab Durst, mir ist heiß, kann ich was trinken, ich will n Arm, krieg ich n Arm, Mama, ich hab Durst, ich… .“

Die Nacht davor war besser und verlief für unsere Verhältnisse (ein Elter plus drei Kinder) ganz gut. Am Samstagmorgen um sechs Uhr 50 klingelt mein Wecker. Aufstehen, Schwimmschule. Gähn.

Elisabeth steht bereit und leitet die Zwillinge zum Frühstückstisch um, während ich dem großen Sohn („Ich will da nicht hin.“) die Badehose antüdel. Wenn er sooo aussieht, ziehe ich ihn an.

Außerdem rufe ich die Flori-Mutter an.

„Sagt mal“, sage ich, „fahrt ihr heute mit dem Auto und könntet uns mitnehmen?“

„Ja, klar“, sagt die Flori-Mutter, „der Jan fährt, ich sage ihm bescheid. Fünf vor acht an der Kindergartenecke?“

„Fünf vor??“

„Reicht das nicht? Nagut, dann zehn vor.“

Um neun vor acht stehen der kleine Riesensohn und ich an der Ecke, ich bepackt mit einem Thermobecher (500 ml!!!), der dicht schließt (entdeckt und direkt gekauft) und Sojamilch mit Kaffee enthält, außerdem dabei: Rucksack mit Schwimmkrams, den Autokindersitz und die Handtasche mit Lernkrams.

Sieben vor acht fährt ein Auto, Modell Flori-Familie, vorbei. An Bord ein grauhaariger großer Mann, der freundlich zurück winkt. Und dann gemächlich um die nächste Kurve verschwindet.

Meine Brille liegt daheim, aber das war er doch. Der Jan. Oder?

„Mmh“, sage ich, „ich glaube, das war der Jan. Winkt und fährt weiter Mmh.“

Melek bricht lachend zusammen. Und ich auch. Situationskomik.

Und nun?

Wir warten noch einige Minuten. Vielleicht habe ich mich geirrt, aber eigentlich bin ich mir sicher, dass…

„Ganz schön verpeilt, der Jan“, merke ich an, und Melek lacht weiter, „was ist denn verpeilt, Mama?“

„Das sind“, überlege ich, „Erwachsene, die noch keinen Guten-Morgen-Kaffee getrunken haben.“

Melek lacht.

Wir rennen nach Hause, und ich kupple gerade das Rad an den Anhänger, als meine Handtasche klingelt.

„Hallo?“ sage ich ins Handy.

„Hallo, sag mal, der Jan wartet an der Bushaltestelle.“

„Wah?“ sage ich, „der ist doch freundlich lächelnd an uns vorbeigefahren, und da habe ich gedacht, naja, dann fahre ich halt… .“

„Neinneinnein“, sagt die Flori-Mama, „der wartet da jetzt.“

„Ich eile!“ entscheide ich mich, und wir fahren – mit dem Rad – zum Kindergarten, stellen es ab und rennen das Stück zur Ecke, mit Thermobecher, Schwimmrucksack, Handtasche und Autokindersitz.

Es ist acht Uhr sieben. Und wir sind immer noch pünktlich im Schwimmbad.

Und ich habe erst einmal eine dreiviertel Stunde Zeit, um meinen Guten-Morgen-Kaffee zu trinken…

P.S.

Heute morgen um halb acht rief ich den besten Ehemann der Welt an: „WANN kommst DU??“

Im Folgenden sind jeweils die unterschiedlich gedruckten Zeilen zwischen den —– gleichzeitig zu lesen:

——————-

„So um zwölf“. (Ehemann)

„WUUUAAAAHHH! AUUUUAAAA!“ (Sohni, wutheult)

„HEUUUUUUUUUULLLLL! NEIIIIIIINN!“ (Maxe, ebenso)

——————-

„WIE??? GEHT DAS NICHT FRÜHER???“ (Mutter)

„DAAAAAAAAAAA!“ (Sohni, voller Empörung)

„KREIIIIIIIIIIIIIIIIISCH!“ (Maxe, sauer)

——————-

„Nein, ich kann nicht früher weg.“ (Ehemann)

„SOHNI, VERDAMMTE HACKE! NICHT MIT DER GABEL WERFEN!“ (Mutter)

„IIIIIIIIIIIIEEEHHH!“ (Sohni, sehr wütend)

„BUHUUUUUU!“ (Maxe , hat die Gabelzinken ans Auge gekriegt)

——————-

„Das klingt jetzt nicht so wahnsinnig attraktiv.“ (Ehemann)

„HÖRST DU WOHL AUF MIT DEM MESSER ZU WERFEN???“ (Mutter)

„Weiiiiinnnnnnnnnnn!“ (Sohni, hat das Messer an die Stirn bekommen)

„DAAAAAA!“ (Maxe, zeigt auf Sohni, wie zur Erklärung)

——————-

„Du, hör mal, ich muss da mal einschreiten.“ (Mutter)

„Bis dann!“ (Ehemann)

„DERDA!“ (Sohni)

„Schluchz.“ (Maxe)

——————-

Pünktlich um zwölf sinke ich ins Bett. „Und was soll es zu Mittag geben?“ fragt der beste Ehemann der Welt.

„Miregal“, sage ich, „iwillslafn.“

„Nudeln, Männer?“ fragt der Ehemann.

„Jaaaa!“ rufen drei lustige Knaben.

Ich krieche die Treppen hoch. Des Mutters Glück sind drei Stunden Schlaf. Non-stop. Blumensträuße werden völlig überbewertet.

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