Die nächsten zwei Nächte

30. Mai 2012 § 2 Kommentare

werden anstrengend.

Der beste Ehemann von allen fährt morgen auf Dienstreise und wird irgendwann am Samstag wieder eintrudeln. Heute hatten Ehefrau und Kinder Gelegenheit, sich praktisch und theoretisch auf seine Abwesenheit vorzubereiten, denn da war er bei der Steuertussi Steuerberaterin.

Um sieben hatte ich Sohni und Maxe entkackt frisch gewindelt und umgezogen, der anschließende Versuch, ein Abendessen ohne Gegröle und fliegende Messer ein einigermaßen kulitiviertes Abendessen hinzukriegen, gelang ohne ernsthafte Verletzungen und dann briefte ich noch Melek, genauer gesagt, ich erinnerte ihn an unseren gemeinsam ausgeheckten Plan.

„Melek“, sprach die Frau Mama, „weißt du noch, was wir für heute Abend verabredet haben?“

„???“

„Papa ist nicht da, und wir haben ausgemacht, dass du noch in meinem Büro spielen darfst, wenn du noch nicht müde bist, aber ich schon mit den Zwillingen im Bett liege.“

„Na klar, Mama“, versicherte der große Sohn, „ich spiele dann noch im Büro und wenn ich dann müde werde, komme ich ganz leise ins Zimmer und lege mich ganz leise in mein Bett.“

„Per-fekt, mein Sohn“, sagte ich. Die letzten Abende verliefen meist mit viel Gebrüll und Hin-und Herwanderungen zwischen Zimmern und Elternbetten, eine gemeinsame Absprache, quasi per Mitentscheidung erschien mir als die einzig sinnvolle Lösung, und ich hatte ihm ausführlich erklärt, dass ich abends müde bin und dann nicht noch mehrmals geweckt werden will, wofür er ein gewisses Verständnis äußerte. Gestern gab es zum Beispiel viel Gebrüll, vorgestern die Frage um 22 Uhr zwölf*:

„Warum haben Oma und Opa eigentlich keinen Ofen?“ und vorvorgestern um Null Uhr 30* die Anweisung:

„Mama, ich will nicht, dass du die Spinnenweben aus meinem Zimmer entfernst, weil die Spinnen sollen ersteinmal die Fliegen fangen, und wenn keine Fliegen mehr da sind, dann kannst du die Spinnenweben wegmachen.“

Der muss nachts wachliegen, um sich solche Fragen auszudenken.

Heute also:

Kurz vor acht p.m.: Die Zwillinge gucken Lauas Deern im Schlaflager, während der große Sohn noch Torbögen baut. In meinem Büro.

Acht Uhr: Ich informiere Melek, dass die Filmzeit gleich vorbei ist, und er schaut sich den zweiten Film mit an. Der Lieblingsfilm der Zwillinge ist übrigens der mit dem „Beebi!“

Acht Uhr 15: Melek verschwindet wieder im Büro.

Acht Uhr 15 bis 21 Uhr*: Die Zwillinge drehen und wenden sich, sind unruhig, wollen dinken trinken, kugeln sich, insbesonders Maxe ist betrübt: „Papa?“

21 Uhr zehn*: Ich vereinbare mit Maxe, dass er in Papas Bett einschlafen kann, der Papa werde ja gleich da sein. Maxe ist d`accord

21 Uhr 30*: Sohni liegt ruhig und schläft vielleicht. Ich tue wenigstens so.

21 Uhr 43*:  Melek poltert die Treppen vom Büro zu unserem Schlafzimmer hinauf, reisst die Tür auf, schlägt sie hinter sich zu und schleicht sich in sein Bett. Sohni schreckt auf.

21 Uhr 44*: Sohni liegt mit seinem Gesicht auf meinem. Ich mime weiterhin dickköpfig die Schlafende.

21 Uhr 46*: Sohni liegt an meinem Rücken und bumpert mit seinem Dickschädel ab und an gegen die Wirbelsäule. Ich mime… s.o.

21 Uhr 48*: Melek steht auf und dann vor meinem Bett. Ich blinzle in die Dunkelheit. „Mama?“ Ich mime … s.o.

21 Uhr 49*: Melek streichelt vorsichtig meinen Arm, ich spüre seinen Atem in meinem Gesicht, als er „Mama? Mama? Mama?“ flüstert.

„Mmpf“, murmel ich.

„Kann ich dein Handy? Ich muss mir was angucken, das tut unheimlich weh!“

„Hmpf“, sage ich.

Melek interpretiert dies als „Ja“ und betrachtet im Schein des Displays sorgsam seinen Arm.

Ich ersphinxe eine linsengroße Hautabschürfung.

„Mama? Mama? Mama?“ quält er mich weiter, aber ich mime … s.o.

Dann reibt er seinen Arm an meinem.

„???“

„Mama?“ flüstert es durch meine Ohropax, fühlst du das auch? Ich brauche unbedingt ein Pflaster!“

„Von mir nich“, nuschel ich in die Bettdecken.

„Wer ist denn sonst noch im Haus?“

„Niemand.“

„Wo ist Papa?“

Um mir eine Diskussion über den Sinn und Zweck einer Steuerberaterin zu ersparen, vereinfache ich: „Arbeit.“

„Und Elisabeth?“

„Arbeit.“

21 Uhr 52*: Strategiewechsel. „Mam? Mama? Mama? Darf ich bei dir schmusen? Ich habe solche Sehnsucht!“

22 Uhr 22*: Melek zieht wieder in sein Bett und spielt noch mit dem Piratenschatz, bevor er einlummert. Sohni schläft.

22 Uhr 23*: Die Mutter sitzt hellwach in ihrem Bett und lauscht der schlafenden Brut.

Morgen wecke ich alle um sechs Uhr zehn. Mit Beethoven. Oder Ravels Bolero. Und wenn die dann am Abend nicht hundemüde sind… Harharharhar.

———————————————————————————————————-

* gefühlte Zeit

Advertisements

§ 2 Antworten auf Die nächsten zwei Nächte

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Die nächsten zwei Nächte auf Das zweite Kind sind Zwillinge.

Meta

%d Bloggern gefällt das: