Kapitel 2, in dem Hamid ein neues Handy bekommt und Herr Glück niemanden kennt, den er anrufen kann. (Dritte Version)

22. Juni 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine halbe Stunde später war Herr Glück stolzer Besitzer eines Buches, das „Wie werde ich der Beste in Mathe?“ hieß und wollte gerade damit wieder nach Hause flitzen, als er gegen einen dunkelhaarigen Jungen prallte, der im Zickzack hin und herlief und dabei auf den Boden starrte.

Boing!“ rief Herr Glück, als er umfiel.

Ey, Alter, pass doch auf!“ rief der Junge, der nicht umfiel.

Herr Glück blickte hoch in das Gesicht des Jungen. Rotz lief aus seiner Nase und vor lauter Tränen konnte er kaum sehen.

Oh!“ rief Herr Glück und vergaß seinen Schrecken, denn er war sehr mitfühlend, „was ist denn mit dir passiert?“

Verdammt!“ heulte der Junge, der übrigens Hamid hieß, „mein Handy ist weg!“

Machen Handys glücklich?“ erkundigte sich Herr Glück mitfühlend.

Hamid wischte sich Rotz und Tränen aus dem Gesicht und starrte ihn an, als ob Herr Glück ein sprechender Kaktus wäre.

Ich schenke dir mein Mathebuch“, bot das kleine, seltsame Wesen großzügig an und rappelte sich auf, „hier nimm, ich kann mir ein neues kaufen!“

Willst du mich verkackeiern, Alter? Was soll ich mit nem Mathebuch?“

Eine Eins in Mathe macht dich glücklich!“ erklärte Herr Glück siegesgewiss und strahlte Hamid an, „dann bist du nicht mehr unglücklich. Das wär doch prima!“

Alter“, sagte Hamid, „du hast ja ne Vollmeise! Ich brauch ein Handy! Wenn mein Vater erfährt, dass ich meins verloren habe, ey! Oh, Mann! Ich darf gar nicht dran denken!“

Ein wenig enttäuscht steckte Herr Glück das Mathebuch wieder ein. „Wenn es dich glücklich macht, kaufe ich dir ein neues Handy“, versuchte er es noch einmal.

Wah?“ Hamid schaute skeptisch, „und was willst du dafür?“

Oh, prima!“ freute sich Herr Glück, „ich darf mir etwas wünschen?“

Naja“, sagte Hamid unsicher, „was willste denn haben?“

Nur eine ehrliche Antwort auf eine wichtige Frage: Was macht dich glücklich? Ist es das Handy?“

Alter, du kannst Fragen fragen“, knurrte der Junge mit den dunklen Haaren, „klar, ein Handy ist voll wichtig, aber… .“

Herr Glück hüpfte fast, „Jajaja? Wenn man ein Handy hat, dann ist man glücklich?“

Also“, grübelte Hamid, „eigentlich – nein.“

Wah?“ rief Herr Glück enttäuscht.

Weißte“, sagte Hamid, „alle haben eins. Wenn du keins hast, gehörst du irgendwie nicht richtig dazu. Also muss man eins haben. Wenn man keins hat, dann ist man unglücklich.“

Er schaute Herrn Glück misstrauisch an: „Krieg ich jetzt trotzdem ein neues?“

Herr Glück überlegte immer noch, „vielleicht bin ich einfach un-glücklich?“

„Das glaubt mir keiner“, dachte Hamid und schaute auf das seltsame Wesen hinunter, das auch im Stehen immer noch kleiner war als er.

„Äh, was ist nun?“ fragte er ungedudig.

„Los geht´s!“ rief Herr Glück und dann sah man einen kleinen Mann mit Schlapphut die Straße entlang hüpfen, während ein dunkelhaariger Junge hinter ihm sich immer wieder heimlich umsah, ob ihn auch niemand erkannte.

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