Laufrad-Frieden

11. Juli 2012 § 8 Kommentare

So viel ist sicher: Als Außenministerin oder Botschafterin wäre ich nicht geeignet, statt der nötigen Diplomatie verfalle ich lieber in die Exekutive.

Zum Beispiel heute morgen. Maxe hat schlechte Laune, was an sich nicht ungewöhnlich ist, aber mir heute furchtbar auf den Senkel geht. Das fängt damit an, dass er un.be.dingt als erster die Waschmaschine den Wickeltisch erklimmen muss. Zweiter werden ist schlimmer als der Weltuntergang, jedenfalls aus der Sicht eines Dreijährigen.

Die Creme mit dem weißen Deckel ist auf jeden Fall unzumutbar, die mit dem rosafarbenen ist viel besser und riecht auch gut. Eincremen „alleine!!!“, ist ja klar, allenfalls bei den Kniekehlen gestattet er mir ein wenig Unterstützung. Das anschließende Zähneputzen scheitert fast an mangelnden Alternativen, als da wären:

A Zähneputzen „alleine,“ Mama macht die Zahncreme auf die Bürste.

B Zähneputzen „alleine“ und auch die Zahncreme „alleine“ auf die Bürste machen.

C Mutter macht´s.

Alle diesbezüglichen Anfragen werden verneint und Variante D – kein Zähneputzen – ist nicht zulässig.

Also entscheide ich mich für C und wasche ihm bei dieser Gelegenheit noch mit dem Pinguinwaschlappen das Gesicht. Danach sind wir zwar Feinde für immer, aber die Aussicht auf Laufradfahren bis zum Kindergarten katalpultiert ihn dann doch – unter Protest, aber mit Schuhen – in den Außenhof.

Sohni wurde parallel zum Streiten angezogen bzw. vermag dies in Teilen auch selbst zu tun (zwei T-Shirts untereinander fallen eindeutig in die Kategorie Hauptsache, er hat irgendetwas an), jedoch bricht er an der Garagentür in sich zusammen, als er erkennt, dass Maxe das Laufrad gewonnen hat.

Mit aller Diplomatie, die ich noch aufbringen kann, erkläre ich den beiden die Taktik: „Männer, wir fahren bis zum Blumenladen und dort tauschen wir, einverstanden?“

Es dauert ein wenig und ich erläutere meinen ausgefeilten Kompromiss geduldig, bis auch der hartnäckigste Schmoller zustimmt.

Sohni hockt im Dreirad, Maxe sitzt auf dem Laufrad.

Es könnte jetzt losgehen, aber nun schmollt Maxe. Mein Vorrat an Diplomatie ist aufgebraucht, und ich drohe ihm Kinderwagen an, wenn er jetzt nicht losfährt.

Puh. Wir schaffen es zehn Meter weiter, dann setzt die Schmollerei erneut ein. Maxe sitzt und fährt nicht und schaut mich so finster an wie die Todeskrähe in Büdringhausen. Ist es die Aussicht auf Bald-Tauschen.Müssen? Vermutlich.

Beim dritten Schmollstopp (und Drohung) verfrachte ich den meckernden Taifun unter meinen Arm, parke das Dreirad und dirigiere Sohni auf das Laufrad.

Maxe schreit und windet sich und Sohni … bleibt stehen.

Was ist denn nun wieder?

„Dei-ad??“

Ach, das Dreirad.

„Schatz, ich parke das hier und wenn ich wieder nach Hause gehe, dann nehme ich es mit.“

Die Sorgen fliegen aus Sohnis Gesicht und wir können endlich zum Kindergarten gehen, ich mit dem kreischenden Taifun im Arm und Sohni auf dem Streitobjekt.

Heute abend schicke ich den besten Ehemann der Welt ganz dringend mal zum Second Hand Shop, da gab es noch ein Laufrad.

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§ 8 Antworten auf Laufrad-Frieden

  • nilaja sagt:

    Unterhaltsam zum Lesen, aber mitmachen würde ich es nicht wollen. 🙂
    Wir haben übrigens sehr bald kapituliert und Laufrad Nr. 2 besorgt.
    Meine Nerven schaffen so etwas nicht…

  • Mara sagt:

    naja, das rätsel ist ja, dass maxe eigentlich alles hatte, was er haben wollte. ob es nur die aussicht war, bald tauschen zu müssen? ich hoffe.
    ps bisher klappte der deal dreirad/laufrad und dann tauschen ganz gut… wir kapitulieren heute abend.

  • aleXXblume sagt:

    Oh ja, das sind mir außerordentlich bekannt vorkommende Situationen… 🙂 Es so zu lesen, ist echt witzig, aber drinstecken macht keinen Spaß, du Arme!
    Und tröste dich, auch ich würde nicht zur Diplomatin taugen 😉

  • Mara sagt:

    Der Trick ist, den Post schon im Kopf zu schreiben, während er passiert. Hilft beim Distanzieren. Ansonsten empfehle ich Johanniskraut.

  • Franziska sagt:

    So einen Maxe hab ich auch, ich muss sagen, mir reicht ein kleiner Wutbürger da vollkommen aus. Du hast meine Hochachtung! Im Englischen spricht man ja von den Terrible Twos, aber ich find die plötzlichen Stimmungswechsel Dreijähriger persönlich anstrengender.

    Das mit den Feinden für immer kenn ich auch, Söhnchen verkündet dann immer: „Du bist nicht mehr mein Freund!“

  • Mara sagt:

    Also am anstrengendsten fand ich den kleinen Riesensohn zwischen zwei und drei… kann aber auch sein, weils ich da gerade mit den zwillingen schwanger war. ansonsten hat maxe öfter mal schlechte laune, aber das war schon so, seitdem ich ihn kenne 😉 (was hat der geboxt im bauch!)

  • Andrea sagt:

    Ein zweites Laufrad ist bestimmt eine tolle Sache, die zumindest einen Streitpunkt aus dem Weg schafft.
    „Feinde für immer“: Wie lange hat es denn gehalten? Bis Mittag? 😉

  • Mara sagt:

    Bisher hatten wir es vermieden, damit die zwei nicht gleichzeitig abhauen können. Merke: Sie laufen/fahren nur zusammen weg. Mal sehen, wie das wird. Im Kindergarten gab es wieder Küsschen 😉

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