Hurrikillinge

13. Juli 2012 § 2 Kommentare

„Ich habe nur den Maxe gewickelt, ehrlich, Sohni war nur fünf Minuten allein im Hof!“ jammert Elisabeth, als ich sie frage, ob sie um Himmelswillen auch auf die Kinder aufpasse, wenn sie Dienst habe.

Denn das sah ich, als ich heimkam:

Scherben einer Tasse auf der Straße vor unserem Zaun.

Den Ast, der als Abgrenzung meines Blumenbeetes dient, daneben liegend.

Den elektrischen Bagger in der Zinkbadewanne, die natürlich voll mit Wasser ist.

Einen Klumpen Butter in der Baggerschaufel, logisch, die ist ja nicht wasserlöslich.

Die Butterdose auf der Gartenbank, nicht nur zerbaggert, sondern auch mit zwei Eisstielen garniert.

Und festgetretene Brotklumpen vor dem Gartentor.

„Hurrikan oder Zwillinge?“ denke ich, als ich den Hof betrete.

Tatsache ist, dass wir zurzeit weder den einen noch den anderen auch nur eine Minute aus den Augen lassen können, und schon gar nicht beide gleichzeitig. „Es ist nur eine Phase“, hoffe ich, so wie die motzig-trotzig Rotzphasen des kleinen Riesensohnes auch relativ schnell wieder vorbeigingen, was nicht bedeutet, dass nicht jederzeit solch ein Tag an unsere Tür klopfen könnte. Im Kindergarten haben sie die Phase auch schon bemerkt:

„Im Moment, Frau Solanum“, erzählt mir Frau Pelz von der Elefantengruppe, „ist immer einer von uns nur für die Zwillinge zuständig, die haben im Moment so viele Ideen!“

„Ideen“ riecht schon arg nach „Unsinn“, denke ich im stillen, aber da fährt sie auch schon fort:

„Gestern hatte ich die beiden im Auge, da rief ein anderes Mädchen, und die Zwillinge waren wirklich nur zwei Minuten allein im Flur, und da haben die alle Kinderstühlchen in die Toiletteräumchen gestellt und die Tischdecke auf dem Toilettensitz ausgebreitet.“

Das kann ich mir vorstellen, die Toilette zieht sie ja magisch an, nur nicht für den Zweck, für den sie eigentlich gebaut ist. Da kriege ich sie nur drauf, weil sie danach „spülen“ dürfen, nicht dass sie das nicht auch sonst bei jeder Gelegenheit machen würden. Und vorgestern beispielsweise haben sie sich in der Toilette die Hände gewaschen. Und hatte ich schon erwähnt, dass Maxe ein Loch in mein Kleid gebissen hat?

Vermutlich sehe ich in meinen Überlegungen besorgt aus, obwohl ich ehrlich gesagt, innerlich gerade im Gegenteil sehr dankbar bin, dass es den Kindergarten gibt, denn die Erzieherin…

„Machen Sie sich keine Sorgen“, beruhigt sie mich, „das ist ja unser Job.“

Und meiner? Ich bin auf jeden Fall für einen Zwillingszuschlag bei der Rente, immerhin bin ich in den letzten drei Jahren arg ergraut. Ich kreuze das mal in meinem Rentenformular an.

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