Prinz Schiefzahn und die Schnullerflut

3. August 2012 § 18 Kommentare

Schnuller, der, auch Nunu, Nulli, Schnulli oder Nuki:

Eigentümlich geformtes Gummiteil zur Eltern Kindesberuhigung. Angewöhnung während zehnwöchigen Aufenthaltes im Krankenhaus. Abgewöhnung? Bitte, bitte, bald!

Der kleine Riesensohn hatte keinen, Maxe bräuchte auch keinen, aber Sohni schnullert und bunkert, und auch wenn ich ihm das Dingens nachts aus dem Mund ziehe, steckt er es sich im Schlaf wieder hinein.

Nach letzten Verhandlungen mit dem Zahnarzt war ich aber schon ruhiger.

„Frau Solanum“, sagte der beste Zahnarzt der Welt (der hat bei mir noch nie gebohrt!), „die Kinder brauchen den, nehmen Sie lieber ein paar krumme Zähne in Kauf, nur bis vier Jahre sollte der dann schon weg sein.“

Wir nähern uns den vier Jahren. Noch 23 Monate. Und ich suche eine Taktik.

Frau Schwiegermutter inklusive hatte zwar kein Schnuller-, dafür aber ein Schnuffeltuchproblem, das zahntechnisch aber auf dasselbe hinauslief, bevor es mit Hilfe von übernatürlichen Kräften gelöst werden konnte.

Nachdem Melek mir aber schon die Geschichte mit den Waldzwergen äußerst, äußerst übel genommen hatte, traue ich mich erst gar nicht, mit der Schnullerfee anzufangen. Vom Weihnachtsmann erzählen wir ja schließlich auch nix.

Also verfalle ich auf die pragmatisch-passive Lösungstrategie: Erfahrungsgemäß beträgt die durchschnittliche Schnullerverweildauer im Hause maximal drei Wochen, spätestens dann kullern sie in das nicht zu ortende Schwarze Loch, wo sie sich mit diversen Handys, meiner Sonnenbrille und meinem Schlüsselbund zusammenrotten. Mit anderen Worten, bisher war ein ständiger Schnullernachfluss vonnöten, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Die Lösung? Ich kaufe einfach keine Schnuller mehr!

Seitdem baden wir in einer Schnullerflut. Wie die Kakerlaken kriechen sie aus Sofa- und Bettenritzen, hüpfen in schmuddelige Kinderhände und danach zwischen schiefe Zähne.

Dass es dennoch, vor ca. einer Woche, dann soweit war, gleicht einem Wunder: Die Kinder lagen im Bett. Ohne Schnullis. Wir hatten einfach keinen gesucht. gefunden. Ich wappnete mich mit starken Nerven und war überrascht, dass die Zwillinge bald keinen Mucks mehr von sich gaben. Mussten sie ja auch nicht. Nach den verwollmäusten Kinderhemden zu schließen, waren sie unter den Betten auf Schnullerjagd gegangen. Erfolgreich.

Also verfeinere ich meinen Plan und werfe die Dinger heimlich hinter die Waschmaschine, und wenn jetzt doch einer auftaucht, wird er skalpiert, so macht das auch Nilaja, eine Zwillingsmutter der pragmatischen Art. Auf diese Weise, so habe ich mir überlegt, trauen sich die anderen Schnuller nicht mehr aus ihren Löchern. Wer will schon mit einem Loch im Saugteil herumlaufen?

Durch das Loch im Sauger kann der Schnullerer den Nulli nicht mehr festsaugen und damit bleibt das vergnügliche Sauggefühl auf der Strecke, was dann hoffentlich zum baldigen Ende der Schnullerei führt, oder der Schnullerer schluckt eine Menge Luft und bekommt dann Blähungen oder muss nachts Rülpsen wie ein Bauer.

So weit, so gut. Gestern habe ich fünf Schnuller erlegt, die Zwillinge haben mit großem Bedauern das Massaker registriert („Nuller pu-utt?“) und den letzten heilen Nulli hat Sohni heute nacht im Bett verloren und er ist dann, sang- und klanglos, ohne ihn wieder eingeschlafen.

„Wir haben es geschafft!“ juble ich innerlich, „kein Gejammer! Heute wird der Rest erlegt!“
Und zur Feier des Tages (und der Ferien) wandern Sohni und ich ins Nebenzimmer, wo der beste Ehemann der Welt mit Maxe kuschelt, und der hat einen Schnuller im Mund. Also haben wir doch noch zwei gehabt, breche ich innerlich zusammen

„Willst du auch einen haben, Sohni?“ fragt der ansonsten beste Ehemann der Welt fürsorglich den schmollenden „auch Nuller habn“ murmelnden Sohni, „warte, …“ – er greift unter das Kopfkissen – „da: einen haben wir noch.“

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§ 18 Antworten auf Prinz Schiefzahn und die Schnullerflut

  • Es ist ein langer, schnulleriger Weg zum Erfolg….;-)

  • MiA sagt:

    Wenn du euer Massaker beendet hast, ich wüsste, wo du weitermachen kannst…. 😉

  • Kalliope sagt:

    In der KiTa, wo meine Schwester arbeitet, hat ein Junge neulich ganz stolz erzählt, dass er seinen Schnuller verkauft hat! Das Ganze lief so, dass die Eltern im Vorfeld im Spielwarenladen ihres Vertrauens abgesprochen hatten, dass ihr Sohn mit seinem (letzten) Schnuller vorbei kommen, sich ein Spielzeug seiner Wahl aussuchen und es mit seinem Schnuller „bezahlen“ darf, den tatsächlichen Preis haben die Eltern dann natürlich geheim am nächsten Tag bezahlt. Das muss echt gut funktioniert haben, denn der kleine Mann war stolz wie bolle, dass er jetzt schon so groß ist, dass er keinen Schnuller mehr braucht und damit dann auch noch selbst etwas käuflich erwerben konnte. War allerdings etwas später, der Kleine ist knappe 4 Jahre alt.

    Jedenfalls viel Erfolg und gute Nerven beim Entschnullern. 😉

  • Mara sagt:

    Ich stelle mir gerade vor, wie Sohni mit einer unglaublich teuren Spieluhr abzockelt (er steht auf Spieluhren) und mir dann zu Hause drei weitere Schnuller anschleppt. Vermutlich brauchen wir einen Kammerjäger.

  • Nina sagt:

    Aber der Zustand der Milchzähne wirkt sich doch durchaus auf die nächsten Zähne aus? Zumindest haben mir das Kieferchirugen und Kieferorthopäden so erzählt und ich war bei einigen 😉

    • Mara sagt:

      ja, das hat der zahnarzt auch gesagt, aber auch, dass er lieber eine spange riskieren würde, und auch, dass es nicht immer zwangsläufig der fall ist. schlimmer wäre aber der daumen, den kann man schlechter abgewöhnen. die erst nacht ganz ohne ist übrigens überstanden! sogar mit ohne einschlafen! 😀

  • Andrea sagt:

    Ich drück dir die Daumen, dass du alle Schnuller erwischt hast und die Entwöhnung gut klappt.
    Bei uns hat es drei Tage gedauert. Am vierten hat Ditte nicht einmal mehr danach gefragt. So schnell war das heiß geliebte Ding vergessen.

  • Elisabeth sagt:

    Was soll ich Dir da wünschen? Diese Dinger finden sich noch lang … bei uns war der letzte Schnulltag vom KInd damals im April und dann … im August … gräbt er einen Schnuller aus dem Sandkasten. Dieses triuphierende Gesicht werde ich nie vergessen. ABER: er hat ihn gar nimmer genommen, einfach nur festgehalten.
    Das werdet Ihr schaffen, wenn nicht wieder irgendjemand hinter diversen Kopfkissen den Nachschub gebunkert hat.
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

    • Mara sagt:

      Jetzt tauchen all die verloren geglaubten Nukis wieder auf … Es ist unglaublich. Danke für deine Wünsche! Und euch trotz aller Widrigkeiten in der Urlaubsplanung eine gute Zeit in den nächsten Wochen!

  • tine sagt:

    Ich kann es gar nicht fassen: eure Kinder sagen nicht: Schnuller kaufen – aldi – da lang? Man kann doch keinem 3-jährigen Kind erzählen, dass man Schnuller nicht nachkaufen kann!?

  • tine sagt:

    Dann sind meine wohl konsumgeschädigt. :))
    Die wussten schon mit zwei Jahren, wo man Eis nachkaufen kann….
    Viel Glück!

    • tine sagt:

      ach, irgendwie komme ich immer mit Antwort- und Kommentarfunktion durcheinander.
      Obwohl es ja eigentlich recht klar bezeichnet ist 🙂

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