Iiiieh Ah!

20. August 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn ich mich malen müsste, ich wäre ein Esel. Ein Maulesel. Diese kleinen zähen Viecher, stark, ausdauernd und stoisch.

Das muss man in dieser Familie auch sein. Der ansonsten beste Ehemann der Welt ist, wenn er krank ist, wortkarg wie ein Quastenflosser. Am letzten Donnerstag beispielsweise, dem Abend unserer Urlaubsrückkehr.

„Müde?“ frage ich, nachdem wir den Bus entladen und die Waschmaschine angestellt haben.

„Krank“, kommt die Meldung, „hast du nicht gehört, wie ich den ganzen Tag gehustet habe?“

Nein, bester Ehemann der Welt von allen, nein, nein, nein. Wenn der Huster am Lenkrad eines Kleinbusses sitzt und die Zwillingsbespaßerin zwei Reihen hinter ihm, kann es passieren, dass sie das eine oder andere dann doch nicht so ganz mitbekommt, besonders dann, weil wegen des Ausfalls der Klimaanlage den ganzen Tag die Lüftung pustet.

Also erkundige ich mich pflichtschuldigst am darauffolgenden Freitagmorgen nach dem Befinden des Gatten.

„Wieso?“ kommt es misstrauisch zurück, „Mir geht es gut.“

Warum immer so zickig?

Melek hustet auch, außerdem sieht ein gewisses Körperteil plötzlich sehr asymmetrisch aus. Ich mache einen Termin beim Kinderarzt.

„Und?“ frage ich nach der Rückkehr von Vater und Sohn.

„Wir haben dieselbe Medizin bekommen.“

„???“

„Melek war beim Kinderarzt und ich ein Stockwerk tiefer.“

„Du bist also doch krank?“

„Klar.“

Am nächsten (!) Tag erfahre ich, dass Melek eine Mandelentzündung hat.

„Wann wolltest du mir das denn sagen?“ frage ich alarmiert.

„Jetzt“, sagt der ansonsten beste Ehemann der Welt.

„Also manchmal denke ich…“, ich starre ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.

„Und was ist das dann für ein Gefühl?“ fragt der Kranke. Tasmanischer Teufel.

Immerhin weiß ich jetzt, wem ich die schlechte Laune im Wochenausklang zu verdanken habe. Eine Mandelentzündung geht nämlich eindeutig einher mit Tyrannusitis, die den kleinen Riesensohn befallen hat.

„MAMAAAA! DU SOLLST SOFORT KOMMEN!“

„Was gibt es denn?“

„DU SOLLST KOMMEN!!!!!“

„Schatz, ich habe noch zwei andere Söhne.“

„DU SOLLST ABER!!! MAAAAAMAAAAA!“

Die Tyrannusitis ist eng gekoppelt mit der Übertrumpfitis: „Hähä, ich darf Medizin und du mal nicht!“

Wenn mutter außerdem den ganzen Tag hört, dass der kranke Sohn schneller, höher, besser, breiter ist, dass all das seine Bonbons/Brotschnitten/Spielzeuge sind und Wutanfälle bekommt, weil Sohni auch einen Hustenbonbon haben und Maxe die Wanze eine Winzigkeit besser beobachten kann, dann wird so ein Tag zäh wie antiker Kaugummi.

Aber die Mandelentzündung macht sich langsam vom Acker und damit auch die schlechte Laune und der Rattenschwanz an Co-Erkrankungen. Am Samstag Abend war es soweit:

„Sohni, soll ich dir mal helfen mit dem Ketchup?“

Und zu mir: „Mama, ich hab dem Sohni geholfen, der hat noch nicht genug Kraft, um den Ketchup rauszukriegen.“ Ganz lieb. Ich staune und atme auf.

Und heute fangen meine Ferien an. Na, noch nicht ganz, zuerst wird Maxe noch in der neuen Kindergartengruppe eingewöhnt.

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