Eheabend auf Rezept

29. August 2012 § 11 Kommentare

Am Montag war es wieder soweit. Dreimal im Jahr besuche ich den goldigsten Psychiater der Welt. Die finsteren Zeiten der Depression sind – Gott sei Dank! – vorbei, aber solange ich noch Medikamente nehme, gibt es noch Pflichttermine.

„Und?“ fragt der runde Mann hinter dem Schreibtisch, „wie geht es den Kindchen?“

„Gut“, sage ich und wir plaudern über die herzerwärmende Zeit des Sprechenlernens, und dann

„Und wie geht es in der Ehe?“

„Naja“, sage ich, „wir brauchen mehr Zeit füreinander.“

„Und was haben Sie da geplant?“

„Der nächste Urlaub hat eine Kinderbetreuung!“

Wir haben da bereits eine Familienfreizeit im Auge, in der vormittags Zeit für die Ehepflege ist, sogar mit Eheseminar. Jetzt mit drei Jahren und Kindergartengewöhnung können wir auch die Zwillinge ohne schlechtes Gewissen in eine gute Betreuung geben. Und wenn es soweit ist, sind sie ja schon Dreieinhalb.

„Das reicht aber nicht“, brummt es freundlich von gegenüber, „ab jetzt nehmen Sie alle 14 Tage einen Abend frei, geht das?“

„Wir haben das arg vernachlässigt“, gebe ich zu, „ich hatte im Juli die letzte Prüfung, aber nun, ja, morgen kommt unser Babysitter aus dem Urlaub wieder.“

„Prima“, freut sich Herr Kugelrund, auf dessen ebenfalls rundem Haupt nur noch wenige Haare sprießen, „es gibt nur eine Regel.“

„Jaaa?“

„Es wird nicht über Probleme gesprochen.“

„Kein Problem“, erwidere ich, „ich will einfach nur Zeit mit meinem Mann verbringen.“

Eine Frage habe ich noch:

„Und wie kriegen wir die Kinder aus unseren Betten?“

„Immer wieder zurückbringen, Küsschen und wieder zurückbringen. Das kann ein paar Wochen dauern, aber halten Sie durch!“

Das war es, der letzte Anschwupps, wie der kleine Riesensohn sagen würde. Die Prüfungen sind vorbei, ich habe keinen Bock mehr auf Kinder in meinem Bett, die Eingewöhnung klappt gut, der Schnuller ist abgewöhnt und sie sind groß genug, um die nächsten Schritte mit ihnen zu besprechen.

Und zum Abschied bekomme ich sogar ein Rezept, mit Stempel und Unterschrift.

„Frau Bergdorf“, weist der beste Psychiater der Welt die Sprechenstundenhilfe an, „bitte ein Rezept für Frau Solanum, auf dem steht `Alle 14 Tage Elternabend, ohne Kinder´“.

Sie stutzt und schaut von ihrem Bildschirm auf: „Das muss ich aber mit der Hand schreiben.“

„Ja, machen Sie.“

Sie schreibt und überreicht es mir. Und ich muss lachen. So sollen Arztbesuche sein.

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