Morgens um sieben

4. September 2012 § 2 Kommentare

ist die Welt noch in Ordnung. Wenn alle Kinder schlafen.

Sohni ist heute nacht in unser Bett umgezogen, nachdem er mit einem lauten Plumps aus seinem gefallen ist. Als er allerdings morgens um halb sechs ein „Bot“ haben wollte, drohte ich ihm mit seinem eigenen Bett, und wir einigten uns schließlich auf ein Glas Wasser und weiterschlafen.

Eine Stunde später war ich unergründlich wach und wollte gerade ein Bein unter meiner Bettdecke hervorschieben, als Maxes Stimmchen ein fragendes „Mama?“ piepte, gefolgt von Sohnis ebenfalls zartem „Mama?“

Man mag mich für herzlos halten, aber ich schob rasch das zweite Bein nach, sammelte meine Wäsche ein und schlich in der sehnsüchtigen Hoffnung auf einen stillen Kaffee und duftendes, frisches Brot die Treppen hinunter, nicht ohne dem kleinen Riesensohn die Aufweck-Mozart-CD anzustellen. Ein extrem angewidert schauendes Auge lugte unter der Bettdecke hervor…

Dem Himmel sei Dank war der beste Ehemann von allen noch da und stellte sich als Kuschelpartner zur Verfügung, denn mit Frühstück im Bauch und einer zweiten Tasse Kaffee lässt sich der allmorgendliche Ansturm wesentlich besser bewältigen. Besonders wenn zweidrittel der Gang schlechte Laune hat.

„Maaamaaa!“ soll das Brot schmieren, „Maaaamaaa!“ soll das Anziehen übernehmen und „Maaaamaaa!“ soll neben allen Kindern sitzen, was schon rein logistisch ein Ding der Unmöglichkeit ist, außer wenn man Sohni Schlaumeier heißt und sich einen Sitzplatz auf ihrem Schoß erbettelt.

Gerade als ich Sohnis Schnürsenkel binden wollte, postete er eine neue Statusmeldung: „Mama! Kaaka!“ Und wir verschwanden im Bad, wo ich die Latzhose verfluchte und gleichzeitig  Melek und Maxe erfolglos  zum Schuheanziehen motivierte. Dreißig Minuten später landeten wir im Kindergartenhafen, denn trotz Räder brauchten wir heute länger, weil eine mittelalte, wirklich sympathische Dame mir noch riet, die Zeit mit den kleinen Kindern zu genießen, die Zeit verginge ja so schnell…

Im Kindergarten habe ich nun, wo alle drei in verschiedene Gruppen gehen, eine längere Tour vor mir. Zuerst geben mir Melek ab, der sich heute in einer Rekordzeit von zwei Minuten aus- und umzog und ohne Schüchternheit in seiner Gruppe verschwand, wo mich die Erzieherin abfing, um mich zum Elterncafé am nächsten Montag einzuladen, weil sich die neue Gruppenleiterin dort vorstellen wolle.

Gruppe 2: Sohni wünscht sich Müsli und lässt sich brav an den Tisch setzen. Kein Küsschen heute? Najagut. Dafür ist sein Fahrradhelm verschwunden und das große Suchen setzt ein.

Maxe kommt in Gruppe 3 und dort verweile ich noch eine Viertelstunde, weil er sich, obwohl er sich in der neuen Gruppe wohl fühlt, noch nicht vollends eingewöhnt hat. Die Erzieherin Frau Jäger empfiehlt mir für Maxe psychomotorisches Turnen (Entwicklungsverzögerung) und ein Gespräch mit der Turntante, die gerade in der Halle sei.

In der Halle stelle ich mich als Maxes Mutter vor und es dauert einige Sekunden, bis die Turntante, die mich als Meleks Mutter kennt, realisisert, dass ich noch einen zweiten Sohn habe und ich infolgedesse als diejenige Mutter infrage komme, die Frau Jäger angekündigt hat.

„Ich habe sogar drei“, erkläre ich, „aber Maxe ist der zweite.“

Ich stelle ihr meinen Sohn vor, bis das erste Turnen beginnt, und werde zu Frau Jäger geschickt, um die Ergebnisse mit ihr zu erötern. Jetzt mache ich also noch einen Termin beim Kinderarzt, dann bei der Kinderchirurgie und schließlich beim Zahnarzt und dann mir einen großen Kaffee, Pause vom Mutterjob. Denn dann beginnt der Nebenjob. Es ist ja schon halb elf.

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§ 2 Antworten auf Morgens um sieben

  • Viv sagt:

    Schön geschrieben, ich nehme regelmäßig ein breites Grinsen mit, wenn ich auf deinem Blog gelesen habe 🙂

    • Mara sagt:

      Wah? Breites Grinsen? Bei meinem sorgfältig dokumentiertem Mutteralltag? Grausen sollte es euch. 😉 Naja, ohne meinen Humor wäre ich wohl schon vollständig ergraut. Frohes Weiterlesen! Mara

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