Meditatives Putzen

13. September 2012 § 14 Kommentare

Ich finde ja, Putzen hat was Meditatives. Der Weg ist das Ziel. Grafisch gesprochen ist allerdings die Gelegenheitsschnittmenge so klein wie ein Marienkäferpunkt bei einem Käferbaby, denn die beiden Faktoren „Kinder sind aus dem Haus“ und „Meine Frustrationstoleranz ist überschritten“ nehmen jeder für sich nicht viel Platz in Anspruch.

Wenn also alle Kinder im Kindergarten sind und der allgemeine Haushaltszustand sogar das Jugendamt auf den Plan rufen würde, lege ich einen blutrünstigen Thriller in den CD-Player und verfalle in diesen glasigen, hirnleeren Zustand, den andere Menschen nur durch Yoga zu erreichen vermögen.

Tief lasse ich den Anblick von krümelfreien Holzfußböden in mich einwirken, bestaune die Schönheit eines glänzenden Badezimmerspiegels und betrachte interessiert die Welt da draußen ohne diesen irritierenden Grauschleier, der sich schon nach einem Jahr ohne Putzen auf den Fensterscheiben breit macht.

Bei der letzten Gelegenheitsschnittmenge sind endlich die im Schlafzimmerregal zwischengelagerten Kinderschuhe in die Garage umgezogen und das Bad of Horror hat sich wieder in eine Oase der Saubereit und Übersicht verwandelt.

Ansonsten halte ich mich streng an Maras Putzfibel, aus der ich mir erlaube, einige Grundsätzlichkeiten zu zitieren:

1. Putze nur die Ecke, die grad am schlimmsten aussieht.

2. Stelle nur so viel Spielzeug in ein (Kinder)-Zimmer, wie man in zehn Minuten in eine Kiste räumen kann.

3. Wenn du etwas Neues kaufst, verschenke etwas, was du schon hast.

4. Empfange nie Besuch. Und wenn, dann in der Dämmerung.

5. Wenn die Kinder im Kindergarten sind, erhole dich ausführlich und gut und erst dann denke ggf. ans Aufräumen.

6. In einigen Jahren sind die Kinder sowieso unterwegs. Dann gibt es genügend Gelegenheitsschnittmengen.

7. Staubsaugen ist besser als gar nichts.

8. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s deutlich ungeniert.

9. Mach ein Foto von der geputzten Ecke.

10. Und: Am Ende eines Lebens hat noch nie eine Mutter gesagt, ach hätte ich doch besser aufgeräumt, sondern…

Aber da fällt euch bestimmt genügend ein. Oder? Vielleicht traut sich ja jemand, was zu schreiben.

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§ 14 Antworten auf Meditatives Putzen

  • aleXXblume sagt:

    Das klingt alles ganz wunderbar. 😀 bei mir hat die Zurückhaltung noch einen ganz anderen Grund – meine Ma ist nämlich in meinem Alter aufgrund der kompletten Überbelastung (drei Kinder, Haushalt, Hausumbau, eigenes Geschäft meines Vaters, zwei zu pflegende Omas…) sehr krank geworden und musste nierentransplantiert werden. Und sie ist beileibe nicht die einzige Mutter, die ich kenne, die so zusammengeklappt ist. Da bin ich lieber unperfekter und bleibe vergleichsweise gesund….

    • Mara sagt:

      yep, so sehe ich das auch. meine ma ist auch nach diversen aufopferungsvollen aktionen sehr zusammengebrochen. und nach maras putzfibel ist das leben dann doch sehr viel entspannter… und jetzt erstmalnenkaffee.

  • aleXXblume sagt:

    Ach, und a propos Fotos – hihi, rat mal, wie es auf dem Tisch, den ich im heutigen Post fotografiert habe, außenrum aussieht… ?! 😀

  • Andrea sagt:

    Weise deinen Mann darauf hin, dass du geputzt hast, und vor allem darauf, wie anstrengend und kräftezehrend der Putzmarathon von miiiiiindestens 25 Stunden war ;-).

    Ich höre beim Putzen auch oft blutrünstige Thriller. Irgendwie fällt es mir da leichter…

  • 1 und 7 finde ich sehr sinnvoll und wende sie immer wieder gern an. 🙂
    5 ist eher nicht drin – da ruft die Arbeit… Naja, macht aber auch meist Spaß. 😉

  • Mamachaos sagt:

    Ich frage mich immer wie ich ein ganzes Haus(viele Fenster!) in Schuss halten soll, wenn es mir jetzt bei der Wohnung schon zu viel ist. Ich werde mir einfach deine Fibel ausdrucken und irgendwo hinhängen wo ich sie gut sehe! 🙂
    Punkt 10 stimme ich voll und ganz zu… alles ist besser als putzen! Zum Beispiel den Herbst geniessen!
    Liebe Grüsse
    Nathalie

    • Mara sagt:

      für hausbesitzer gibt es noch punkt 11: fenster werden nur in der unteren etage geputzt. abends bin ich sowieso viel zu müde, um noch aus dem schlafzimmerfenster zu sehen… (und dem ehemann fällt´s sowieso nicht auf)
      wenn man übrigens so lange wartet mit dem fensterputzen, bis es draußen immer wie winter aussieht, dann hat man nach dem fensterputzen so ein geiles a-ha erlebnis, dass die investierte mühe sich allemal rentiert.

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