Ein Wir mit Abstand

21. September 2012 § 2 Kommentare

Mit den Zwillingen im Bauch hätte ich es schon erahnen können. Da herrschte nämlich alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen, sobald die Zwerge groß genug zum Treten waren, Und als es ihnen endgültig zu eng (und mir zu schwer) wurde, malträtierte Maxe den Muttermund mit Fäusten, während Sohni mit allem, was er hatte, gegen alles, was er treffen konnte, boxte. Ergebnis Frühgeburt.

Dennoch schwelgte ich während der Krankenhauszeit immer noch ein wenig in meinen romantischen Vorstellungen, beispielsweise der, dass ich die zwei vorerst und quer in ein gemeinsames Gitterbett verfrachten wollte, weil sie es ja so gewohnt sind.

Ganz großer Quark mit Soße. Statt sich gegenseitig zu beruhigen, hat einer den anderen aufgestachelt und das gemeinsame nächtliche Füttern artete in eine Art Dreifrontenkrieg aus. Mit nervenzerfetzendem Kriegsgeheul.

Also haben wir die Zwerge getrennt und Maxe bekam seine Milch allnächtlich vom Papa, während Sohni gestillt wurde, und ich muss wohl nicht erwähnen, dass Mann und Frau getrennte Zimmer bevorzugten, die Stillrhythmen waren einfach zu unterschiedlich.

Jetzt, drei Jahre später, geht es um die Zimmerverteilung. Jeder Zwilling hat ein eigenes Zimmer bekommen und weil ich doch noch Reste dieser Zwillingszweisamkeitsillusion in mir trage, haben wir jedes Zimmer mit zwei Betten ausgestattet. Damit sie auch gemeinsam in einem Zimmer schlafen können. Theoretisch. Praktisch läuft das so.

Sohni: „Maxe slafen??“

Und was sagt der Bruder? „NEIN! MEINE!“

Das ist eindeutig. Melek will übrigens auch alleine in seinem Zimmer schlafen, und sowieso darf niemand da rein. Nur einmal, als er Angst hatte, durfte er bei Sohni unterkommen. Und Sohni, der friedfertigste Sohni von allen, hatte ihm sofort erlaubt, im zweiten Bett zu nächtigen.

Wenn es nach Maxe geht, darf Sohni auch nicht zu Frau Jäger in die Mondgruppe, wenn er sie oder seinen Bruder besuchen will:  „Äger suchen, ja, Maxe?“

„Nein, Eger!“ zischt Maxe energisch: „MEINE!“

Und manchmal kriegt Maxe Sohni mit seiner kompromisslosen Art sogar zum Weinen: „MEINE MAMA!“

Sohni: „Nein! Meine Mama!“

Maxe: „MEINE!!“

Sohni im Protestton: „Neeeiiiin!“ (schluchzt)

Pff, Zwillingsliebe.

Aber dann ist doch etwas passiert, was mich ein wenig versöhnlich gestimmt hat, sozusagen die positive Seite der U7a-Party. Neulich auf dem Spielplatz, als ein Mitglied unserer Familie, das an dieser Stelle anonym bleiben will, den Zwillingen voller Wut ein: „IHR SEID VOLLER SCHEI**E!“ entgegenschleuderte, da kicherten die beiden gelassen von ihren Schaukeln herunter: „Nei-ein s´ei**e!“

„DOCH!!“ schrie der Aggressor, aber nichts brachte die Zwerge aus ihrer auf Zweisamkeit gegründeten Souveränität, sie kicherten munter weiter.

Zu zweit sind sie doch stark.

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§ 2 Antworten auf Ein Wir mit Abstand

  • Andrea sagt:

    Bestimmt gibt es in Zukunft noch viele zweisame Zwillingsmomente.
    Ich glaube, bei Zwillingen nimmt man Streitigkeiten stärker wahr, weil man eben ein bestimmtes – harmonisches – Verhalten erwartet.

  • Mara sagt:

    das mag sein. ich kenne aber nur familien, wo die geschwister gerne in einem zimmer schlafen. naja, solange sie tagsüber friedlich spielen…

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