Tote Maus: Mutter in U-Haft

24. September 2012 § 2 Kommentare

So oder so ähnlich mag die Schlagzeile lauten, die dereinst in der Zeitung erscheinen wird, wenn der kleine Riesensohn mich verhaften wird. Er hat sich nämlich für die Polizeilaufbahn entschieden und wenn man seinen Worten glauben darf, dann freut er sich jetzt schon darauf, mir die Handschellen anzulegen.

Ich plädiere auf unschuldig, aber vielleicht mag der geneigte Leser sich selbst ein Bild des Verbrechens machen.

Alles begann damit, dass Bewohner der Kindergartenstraße ihren Vorgarten mit weißen Dekosteinen sterilisierten, ein gefundenes Fressen für mkleine Kinder! Nach anfänglichen Bemühungen, die Drei ohne tägliche Souvenirs an jenem unheilvollen Garten vorbeizuschleusen, nahm der Trotz in mir oberhand, denn, mal ehrlich, es ist doch eine selten blöde Idee, seinen Vorgarten zu beweißsteinen, wenn sich in unmittelbarer Nachbarschaft eine Kindertagesstätte mit 100 Insassen Kindern befindet!

Ich nahm also die Mitnehmsel in Kauf, popelte weiße Steine hinter dem Rücken der Kinder wieder aus den Luftlöchern der Kellergeschosse und beschloss, die Sammlung klammheimlich wieder zurückzubringen. Konnte ja keiner ahnen, dass der ansonsten beste Ehemann der Welt die Dinger ebenso klammheimlich in den Biomüll entsorgt.

Nun beginnt die Verkettung unglücklicher Umstände. Zum einen traten und treten die Charaktereigenschaften des kleinen Riesensohnes immer deutlicher hervor, die im Berufswunsch Polizist gipfeln, zum anderen erschien eine hormongepuschte Perser-Hauskatzen-Mischung auf dem Plan. Riesig, zottig und mit Tigergesicht! Rooaaarrrrr!

Diese Katze nun ist augenscheinlich für die toten Mäuse verantwortlich, die in unregelmäßigen Abständen auf einem bestimmten Abschnitt des Bürgersteiges auftauchen, denn – Beweis – zumindest eine Maus konnten wir aus ihren Fängen retten, dank der geballten Kraft jugendlicher Neugier, die im Dreifachpaket den Kriegsschauplatz stürmte und das Vieh in die Flucht schlug.

Das war nun im frühen Sommer, als es so unendlich heiß war (ja, diese Tage gab es) und der verwesende Anblick des toten Mausekörpers erfüllte mich mit Mitleid und die Kinder mit täglicher Neugier. Um den Respekt vor der Kreatur an die nachfolgende Generation weiterzugeben, schlug ich also eine Beerdigung vor, scheute mich aber, dieses zerfließende Etwas zusammenzukratzen und erfand das Steingrab.

Und nun schließt sich der Kreis. Alle sammelten diese hübschen weißen Deko-Steine, wir schmückten das Hügelgrab mit Löwenmäulchenblüten und Grün und bis zur nächsten Bürgersteigreinigung einige Monate später blieb das Grab auch unangerührt, sogar eine weitere Maus fand dort Unterschlupf, eine tote natürlich.

Dann war das Grab eines Tages fort, mitsamt vertrocknetem Grün und skelettierten Mäusen und die Zeit schenkte uns seeliges Vergessen. Bis, ja bis heute eine neue Maus auf dem Bürgersteig auftauchte, nur wenige Zentimeter vom alten Grab entfernt.

„Oh!“ rief Melek aus, der sie als erster entdeckte, „guck mal, Mama!“

Und so standen wir vereint vor einem weiteren Opfer dieses Sündenpfuhls, der sich Erde nennt. Offensichtlich handelte es sich um ein sehr junges Opfer, das dort regungslos auf dem Pflasterstein lag.

„Oh“, gab ich mein Mitgefühl kund und „ich denke, wir werden sie heute nachmittag in einem Steingrab beisetzen“, immerhin befanden wir uns gerade auf dem Weg zum Kindergarten.

„Aber Mama!“ empörten sich da zwei blaue Polizistenaugen, „das geht doch nicht, die Steine gehören doch den Leuten!“

Autsch! Ja, das hatte ich vergessen. Also werde ich wohl nicht umhinkommen, zum Abholen einen Schuhkarton mitzunehmen. Und dann werden wir sie zünftig im Garten beerdigen.

Aber vorher recherchiere ich noch nach Verjährungsfristen, die vom ersten Grab, rein vorsichtshalber, und natürlich zum Schutz der Zwillinge, die ja auch schon als Diebe tätig waren, also wenigstens Maxe, der (von mir unbemerkt) als Baby Selbstbräuner und zwei Mückenstichstifte in der Drogerie hat mitgehen lassen. Ob Melek mich noch verhaften darf, wenn er seine Ausbildung beendet hat? Ich hoffe nicht. Aber wer weiß, was ich mir bis dahin noch so alles leiste.

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§ 2 Antworten auf Tote Maus: Mutter in U-Haft

  • Papagena sagt:

    Also wirklich, wer in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens mit weißen Steinchen dekoriert, ist selber Schuld!
    Das grenzt ja schon an kriminelle Beihilfe, oder?
    *zwinker*

    Das die toten Mäuse aber zukünftig ein ordentliches Begräbnis in ordentlicher Muttererde bekommen, wo sie ebenso ordentlich zu Erde verrotten können…. finde ich ehrlich gesagt gut! Ist doch irgendwie eklig, den Kadaver auf dem Gehweg beim Verwesen zuzusehen, oder?

    Liebe Grüße,
    Papagena

  • Mara sagt:

    ich gebe dir natürlich recht. die idee entstand sozusagen aus der not, weil der mausekörper wirklich nicht mehr so ohne weiteres transportfähig war. heute allerdings haben wir, die sonne schien und es war so schön herbstig, den weg zum park eingeschlagen. und wer weiß, vielleicht ist die maus morgen ja schon weg. manchmal fressen katzen doch ihre beute, oder? *hoff*

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