Wie beim ersten Mal

4. Oktober 2012 § 2 Kommentare

Eine positive Eigenschaft von Kindern ist ja, wie ich finde, dass sie so direkt ihre Wünsche äußern können.

Manchmal sind Kinder auch nicht so direkt.

Heute nacht zum Beispiel spürte ich, wie sich zwei kleine Hände an meinen Unterschenkeln festkrallten, um sich in unser Bett zu ziehen, schmerzhaft gefolgt von zwei spitzen Knien, die dem Kinderkörper halfen, sich über das Hindernis Mutter zu schieben. Schließlich vibrierte die Matratze, als Sohni seinen Irrtum bemerkte und auf der Besucherritze entlangbalancierte, um zum Fußende zu gelangen, auf dem mein Kopf lagert. Das ist eine bewährte Strategie von mir, um zwischen der Geräuschquelle am Kopfende des ansonsten besten Ehemannes der Welt und meinen Ohren die maximal mögliche Distanz, die so ein zweimetermalzweimeterzwanzig Bett hergibt, unterzubringen.

Vielleicht gibt es doch so etwas, wie Telepathie zwischen zweieiigen Zwillingen, denn kaum zwanzig Sekunden später verlangte Maxe Einlass und warf sich heulend an meinen Hals – „Meiiiiine Mamaaaa!“ – und alles nur, weil ich ihm gesagt hatte, dass beim Papa noch Platz sei.

Aber vielleicht war das auch ganz gut so, denn zwei kleine schmusige Männer unter meiner Decke ist mir dann doch ein bisschen zu viel und also küsste ich das Mäxchen und fragte, ob ich ihn noch einmal kullern solle.

„Jaaa-aaaa!“ hickste er. Ein Küsschen, viermal den Rücken hinauf und hinuntergekullert, dann lag er wieder friedlich in seinen eigenen Laken.

Bei Sohni gestaltete sich das Ganze schwieriger.

„Waaassssaaaa!“ verlangte der Zwerg und

„Schlaf schön“, wünschte ich nach drei Darreichungen von Wasser, diversen Küssen und dem Rücktransport von Decke, Kissen, Puppe, I-ii, Bobo und Bein ins eigene Bett und schleppte fünf Minuten später Decke und Sohni wieder ins Elternbett. Immerhin bleibt Sohni wie ein Stein liegen, während Maxe im Schlaf auf Wanderschaft geht.

Und da, nachts um halb vier, als der beste Ehemann von allen anfing, Sudoku zu spielen, um wieder müde zu werden, fiel es mir auf: Es klappt! Allermeistens schlafen sie diskussionslos in ihren Betten ein und wandern morgens in unser Bett, wo sie noch eine halbe Stunde im Halbschlaf verbringen, bevor es Zeit wird, aufzustehen und vor allem: Wir können jetzt auch abends drei Kinder mit nur einem Babysitter alleine lassen! Und ausgehen!

Nur heute Nacht, das ist ja logisch, da ging das mit dem Durchschlafen eben nicht, weil Mama und Papa während der Insbettgehzeit und nach einem Kinobesuch noch Käffchen und Salat im Restaurant verzehrten.

Der erste zweisame Nachmittag seit Wochen!

Allen sich entfremdenden ältlichen Ehepaaren empfehle ich „Wie beim ersten Mal„, ein Film, in dem Realität und Parodie Hand in Hand gehen und Arnold (Tommy Lee Jones) und Kay (Meryl Streep) als sechzigjähriges Ehepaar in einer Ehetherapie versuchen, wieder Intimität in ihre Ehe zu bringen. Lustig war es, aber auch ernst. Nie wurden die beiden ausgelacht, die Balance zwischen Identifikation mit den Hauptfiguren und notwändiger ironischer Distanz ist schwer zu halten, aber gelingt weitestgehend.

Und in dem darauffolgenden Restaurantaufenthalt mit Rheinblick und wahnsinnig höflichen Kellnern haben wir ein bisschen Kay und Arnold vorgefühlt und beschlossen, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Jetzt werden zwei Ehezeiten pro Woche eingeplant, weil nämlich zu oft etwas dazwischen kommt, an dem wir unsere Babysitterstunden benötigen, einen Elternabend im Kindergarten zum Beispiel oder auch nur eine banale Grippe eines der Familienmitglieder.

Das Leben ist dann doch irgendwie zu kurz, als dass man den Zauber der Zweisamkeit, das warme Gefühl des Einfachmiteinanderredenkönnens, des Seelenaustausches auf später verschieben könnte.

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§ 2 Antworten auf Wie beim ersten Mal

  • Mamachaos sagt:

    Den Film wollte ich mir auch ansehen ich fand den Vorspann schon sehr lustig!
    Wir werden am Samstag das erste mal seit einer gefühlten Ewigkeit ( mindestens 3 Jahre 😉 ) mal wieder mit Freunden essen gehen, die Kinder sind bei der Oma und mein Mann und der Herzfreundin ihr Mann, haben Geburtstag. Das Ganze hat sich sehr spontan ergeben und ich freue mich wie ein Keks auf Samstagabend, ich wusste gar nicht wie sehr ich das vermisst habe!
    Solche Zeiten werden sehr kostbar mit kleinen Kindern!
    Und Auseinaderleben ist für uns auch keine Option zu sehr hänge ich an unserer Partnerschaft und am Liebsten! Leider beobachte ich das aber öfter als mir lieb ist bei Paaren in meinem Umfeld, das erschreckt mich und macht mir bewusst was wir haben.
    Das erste Jahr mit den 2 Kleinen war hart aber jetzt wird es wirklich leichter, Gott sei Dank, den Druck haben wir sehr gespürt mein Mann und Ich!
    Liebe Grüsse und ich drück die Daumen das die eingeplante Paar-Zeit auch verwirklicht werden kann!
    Nathalie

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