Knigge für Kleinkindmuddis

19. Oktober 2012 § 4 Kommentare

Eigentlich, so habe ich mir überlegt, ist es ganz einfach. Man muss nur eine Handvoll Benimm-Regeln konsequent einhalten und dann kommt frau eigentlich ganz gut durch den Spießrutenlauf, der sich Kleinkindalter nennt.

Benimmregel 1:

Kommuniziere nie mit einem Menschen, der mehr als zehn Meter von dir entfernt steht und gute Ratschläge erteilt, während deine Zwillinge abwechselnd und bäuchlings auf dem Bürgersteig liegen und lautstark brüllen, weil du sie nicht bis nach Hause tragen willst.

Benimmregel 2 (Erweiterung von 1):

Sollte solch ein Mensch sogar auf der anderen Straßenseite stehen und in seinem gebrüllten Redefluss die Wörter „Krankenhaus“, „etwas ist nicht in Ordnung mit dem Jungen“ oder „der hat was“ (ach) verwenden, lohnt sich nicht einmal ein Blick auf die andere Straßenseite.

Tipp: Bei dennoch vorhandener Verunsicherung präsentiere man den potenziellen Patienten einige Minuten später dem Vater und frage ihn, ob dieses blitzmuntere, vor sich hin summende, fröhliche Kind irgendwie krank wirke.

In sehr schlimmen Fällen, hilft fast immer die Anwendung der Keks-Methode. Diese sollte jedoch so selten wie möglich verwendet werden, da sie bei inflationärem Gebrauch unerwünschte Folgeerscheinungen haben kann („Ich mach das nur, wenn ich du mir einen Keks gibst!“).

Benimmregel 3:

Sollte eine ältere Dame dir empört verraten, dass dein Sohn soeben zu ihr „Du bist selber dumm“ gesagt habe, verhöre erst den Angeklagten, bevor du ihn verurteilst („Die hat zu mir gesagt, dass ich dumm bin!“ – „Nein, ich habe gesagt, du bist doch wohl nicht dumm, jetzt geh doch mal zur Seite.“).  Im Zweifelsfall unterbreche die Diskussion mit einem überraschendem Ablenkungsmanöver: „Sie haben aber eine schöne Frisur. Zu welchem Friseur gehen Sie?“ Oder: „Welche Meinung haben Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?“ Egal für welches Manöver du dich entscheidest: Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen für die Unerzogenheit des „Bengels“.

Benimmregel 4:

Oft benutzte Phrasen von Passanten wie „Drei Jungs???!!! DAS ist aber viel ARBEIT!“ (Beispiel 1) oder „Seien Sie froh, dass Sie nur Jungs haben, Mädchen sind so zickig“ (Beispiel 2) übergehe mit einer höflichen oder versöhnlichen Floskel.

Beispiel 1: „Lieber drei Jungs als eine Schwiegermutter.“

Beispiel 2: „Zicken sind wir doch alle, ooooder?“

Benimmregel 5:

In Fällen, in denen das Kleinkind an der Supermarktkasse brüllt, als ob ihm gerade jemand den Arm abgehackt hätte, und die ältere Dame vor dir an der Schlange die Kassiererin lautstark bedauert, dass sie „so etwas“ aushalten müsse, hilft ein gezielter Stoß mit dem Kinderwagen oder die mit sonorer Stimme vorgetragene Meinung, im Grab wäre es schon still genug.

Benimmregel 6:

Fremden Menschen, die deinem Kind ohne zu fragen Süßkram zustecken, begegne mit kühler Entschlossenheit, „Danke, unseren Karies füttern wir schon selbst.“

Benimmregel 7:

Echten Dank verdienen alle Mitmenschen, die ungefragt die Tür für den zehn Meter langen Zwillingswagen aufhalten, dem müden Dreijährigen ihren Sitzplatz im Bus anbieten oder einfach höflich fragen, ob du Hilfe brauchst, wenn deine Kinder auf der Strecke zwischen zwei Fußgängerampeln den kollektiven Wutanfall erleiden, während die Ampel schon längst wieder auf rot umgeschaltet hat.

Fazit unserer Kleinkindzeit: Es gab so einige erschreckende Erlebnisse, aber die große Mehrheit war positiv. Und ich freue mich immer, wenn der Anblick meiner Kinder bei Passanten ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Übrigens kann man auf die ersten sechs Regeln auch einfach verzichten, indem man in der entsprechende Situation ganz selbstverständlich und selbstbewusst handelt. Regel 8: Du bist halt die beste Mutter für dein Kind.

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§ 4 Antworten auf Knigge für Kleinkindmuddis

  • Mamachaos sagt:

    Lach! Sehr lustig geschrieben! Kollektive Wutanfälle! In den Genuss komme ich auch so langsam oder Zickenanfälle, wie man es nimmt!

  • Mara sagt:

    Wütendes Rumgezicke, Zickenwut, wie auch immer, ich sehe da keine großen Unterschiede zwischen den rosa und den blauen Menschlein.

  • geologenkinder sagt:

    Kollektive Wutanfälle…was für ein schönes Wort oder besser nette Umschreibung für „Stresssituationen“ 🙂 Mit Knigge haben aber deine Benimmregeln nicht viel zu tun, ich find sie aber gut. 🙂

  • Mara sagt:

    Naja, es sollte eigentlich eine Ermutigung für mehr Selbstbewusstsein sein; kam vielleicht nicht so rüber. Also so im Sinne von Leitlinien, ähm, falls das jetzt hier jemand versteht.

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