Großwildjagd

31. Oktober 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Montag:

Nach fünf Tagen zu Hause mit dem kleinen Riesensohn ereilte mich ein Anruf des Kindergartens, und zwar auf dem Weg zu Dr. Blume, von dem ich eine Unterschrift brauchte (Hurra! Ich bin jetzt angemeldet, aber ab jetzt tickt die Zeit.).

Maxe liege apathisch auf dem Lesebett und habe einen hochroten Kopf. Kein hurra, was hat er nur?

Eine Dreiviertelstunde später sind wir zwei zu Hause. Nach zwei Sendungen mit der Maus, schliefen wir seelig auf dem Sofa ein, um danach im Regen die übrigen Zwerge aus dem Kinderland abzuholen. Genauer gesagt aus der Turnhalle, aus der mir der kleine Riesensohn, der noch eine Woche lang nicht toben darf, mit hochrotem Gesicht entgegenlief. Sohni erlitt fast gleichzeitig einen Zungenunfall, der aber glücklicherweise in die Kategorie Blutlos-und-Schnellvergessen-mit-Mamas-Küssen fiel.

Gestern blieb Maxe auch daheim, legte Bücher neben den Laptop und zeigte mit dem Finger auf alles, was ich ihm benennen soll. Das geht dann so:

„Mama???“ Fingerchen auf den Kinderfahrradsitz.

Mutter, in Gedanken bei den methodisch-didaktischen Überlegungen zum Kohlgemüse: „Kinderfahrradsitz. Maxe, geh spielen.“

„Das?? Mama? Mama?“ Fingerchen auf dem Eichhörnchen.

Mutter: „Mmh, kommt Krautsalat auch vom Weißkohl? Maxe, das ist ja süß, dass du dich jetzt für Wörter interessierst, aber … .“

„Da-a?“ piepst Herr Late-Talker.

„Eich-hörn-chen“, ergebe ich mich und tippe emsig weiter, “ hmhmhm … botanisch interessierte Laien, die … .“

„Mama!!!!“ Das klingt panisch.

„Was ist los?“ schrecke ich auf.

„Bi!!!“ Angst zittert in seiner Stimme.

Ich sehe mich um. Eine Fliege umkreist Maxes Kopf.

„Schatz, das ist eine Fliege, die tut nichts. … verschiedene Komponenten … .“

„Biiiiiiiiiiiiiiii!“ Maxes Stimme wird hoch und schrill:  „Mama, duuuuu!“

„Ich soll die wegmachen?“

„Daussen!“

„Die Fliege soll raus?“ Ich sehe meinen Bürotag in der Fliegenjagd aufgehen, die sind schnell die Viecher: „Schatz, ich setze dir eine Mütze auf, dann kann die sich nicht auf deine Haare setzen.“

„Daussen, Mama, duuuu!“

„So Maxe, Mütze auf, willst du noch einen Schal umhaben?“

„Ja-aaa.“ Maxe sitzt erstarrt vor der Fliege wie ein Eskimo vor dem Robbenloch und auch ungefähr so vermummt. Es hilft nichts. Ich muss die Fliege fangen.

Irgendwo haben wir doch noch die Spinnen-Fang-und-Aussetz-Dose, die ist auch für die Fliegenjagd geeignet. Dem Himmel sei Dank fange ich die Fliege schon beim zweiten Versuch – das muss an den Temperaturen liegen, da sind die nicht mehr so schnell – und Maxe prescht vorraus und reisst Küchen-, Flur- und Haustüre auf.

Ich schüttle die Dose aus, die Fliege summt böse und …

Maxe atmet erleichtert auf und zieht sich die Mütze vom Kopf, was ihn für eine Zehntelsekunde von der Fliege ablenkt, – und ich werde ihm nicht sagen, dass das das Vieh schnurstracks zurück ins Haus geflogen ist.

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