Mein Kind wird operiert – worauf kann ich achten?

5. November 2012 § 11 Kommentare

OPs sind bei mir grüne Tücher.

Grüne Tücher, hinter denen einige Männer in weiß herumwuseln und meine Babys aus meinem Bauch ziehen. Die erste war einfach nur fürchertlich, hat mich aber viel über den Krankenhausbetrieb im allgemeinen und meine Rolle darin im besonderen nachdenken lassen, so dass ich vor der OP meines Sohnes gut vorbereitet war. Und mich und ihn eine uneingeschränkt positive Erfahrung machen ließ. Im folgenden eine Liste der Punkte, die ich wichtig finde zu beachten. Sie ist sicherlich nicht vollständig, bietet aber vielleicht dem einen oder der anderen einige Anhaltspunkte:

Das Vorgespräch:

Ist der Arzt im Zeitdruck oder nimmt er sich Zeit für mein Kind und meine Fragen? Habe ich den Eindruck, dass er das Kind als Person wahrnimmt oder ist es nur ein Fall von vielen? Spricht er es persönlich an und versucht Kontakt herzustellen? Beantwortet er meine Fragen und nimmt meine eventuell vorhandene Angst/Verunsicherung/Bedenken wahr?

In der ambulant operierenden Praxis, in der der kleine Riesensohn verarztet wurde, hing ein großes Plakat im Wartezimmer: „Angst entsteht oft aus Unwissenheit – also fragen Sie uns Löcher in den Bauch.“ Dieser erste Eindruck bestätigte sich immer wieder, denn immer wieder wurden wir gefragt: „Haben Sie noch Fragen?“

Wie ist der Ablauf der OP?

Darf die Mutter/Vater das Kind begleiten, bis es eingeschlafen ist? Sorgt das Team für Ablenkung? Wie ist der Aufwachvorgang begleitet? Wurde ich darüber informiert, dass mein Kind nach dem Aufwachen verwirrt/aggressiv/irritiert sein kann, und mir gesagt, was ich in diesem Fall zu tun habe? OP um jeden Preis oder ist eine kurzfristige Verschiebung möglich?

Ich durfte mit in den OP-Raum. Es gab eine „OP-Ente“, eine Handpuppe, die quakende Geräusche von sich gibt, wenn man ihren Schnabel bewegt. Die war so süß, dass Sohn und Mutter komplett von ihr absorbiert waren. Melek biss mir mit dem Entenschnabel in meine Nase und ich schimpfte mit der OP-Ente, woraufhin Melek sich kaputtgelacht hat. Der Arzt sagte irgendwann: „So, jetzt schläft er ein“, Melek gab ein tiefes Seufzen von sich und dann wurde ich ziemlich schnell nach draußen bugsiert. Bei einer anderen Patientin habe ich mitbekommen, dass das OP-Team daraufhingewiesen hat, die OP lieber noch zu verschieben, falls das Mädchen, das noch recht klein war, irgendwie nicht kooperieren wollte. Die Würde des Kindes und der Respekt vor ihren Kapazitäten hatte also einen hohen Stellenwert.

Wie viel Erfahrung hat das Team?

Das Team hatte insgesamt mehr als 40 Jahre OP-Erfahrung und ich rechnete ihm hoch an, dass es dennoch nicht in menschenvergessende Routine verfallen ist. Ich persönlich fand es beruhigend, die Männer dort nach ihrer Berufserfahrung zu fragen.

Erreichbarkeit:

Sowohl vor dem Termin wie auch hinterher wurden wir mehrmals darauf hingewiesen, dass wir jederzeit bei einem der Ärzte anrufen könnten, wenn noch irgendwelche Fragen auftauchten. Es gab auch das Angebot, einige Tage vor der OP mit dem Anästhesisten zu reden, um Fragen der Narkose zu klären.

Die Räume:

Die Operationsräume waren in einem alten Gebäude untergebracht, das gab dem ganzen einen eigenen Charme. In der Küche standen Getränke auf dem Tisch, der Aufwachraum war mit bunten Bildern behängt und die Bettdecken trugen Kindermotive. Die Überwachung der Lebensfunktionen geschah mit einem mobilen Monitor, das neben dem Kind im Bett lag. Die Schwester erklärte mir im Aufwachraum dann noch, dass der Stöpsel im Mund meines Sohnes verhindern sollte, dass er seine Zunge verschluckt.

Schmerztherapie:

Wir wurden ausführlich darauf hingewiesen, wie wann was wir dem Kind gegen die Schmerzen geben und wann wir den Schmerzsaft lieber nicht mehr geben sollten. Am ersten Tag sollte der Patient außerdem liegen und durfte exessiv Filme gucken 😉 .

Seelische Vorbereitung des Kindes, so wie ich es als wichtig empfinde, ich gebe keine Garantie auf Vollständigkeit dieser Liste:

Das positive hervorheben: Melek durfte nach der OP Filme gucken, die Zwillinge aber nicht 😉 .

Das Schmerzhafte nicht verschweigen: Es wird auch wehtun, aber wir können dir Schmerzsaft geben, damit es nicht mehr wehtut. (Die Schmerzen waren in unserem Fall eines der geringsten Probleme.)

Beschäftigungsideen für Bettlägerige überlegen. Spontan fällt mir der Erbseneder ein. Möglich sind natürlich Bücherlesen, Puzzels, Spiele, Hörspiele, Malen auf einer geeigneten Unterlagen, vielleicht vorher noch ganz besondere Stifte kaufen. Beliebt sind auch alle Sorten von Glitzerpapier zu Zerschneiden, Aufkleben, Bemalen und nicht zuletzt gibt es auch Magnetbücher und Aufkleber-Bücher, in denen man nach Belieben die Magnete oder Aufkleber umsortieren kann.

Wer sonst noch weiß, worauf es sich zu achten lohnt, der darf hier sehr gerne seinen Kommentar dazugeben!

Ich nehme weitere Tipps gerne in die Liste auf!

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§ 11 Antworten auf Mein Kind wird operiert – worauf kann ich achten?

  • Franziska sagt:

    Hallo Mara,

    toller Beitrag! Unser Kleiner musste mit knapp 2 Jahren auch operiert werden, was hatte ich da eine Angst davor. Meine Erfahrung war aber wie Deine sehr positiv, es war ebenfalls ambulant, und die Praxis war auf Kinderchirurgie spezialisiert. Das merkt man einfach. Das fängt schon damit an, dass sie die OP-Reihenfolge immer erst einen Tag vorher festlegen, damit die Kleinsten zuerst dran kommen und nicht so lange nüchtern bleiben müssen.

    Besonders beeindruckt hat mich, wie ernst der Arzt unsere Sorgen bezüglich den Allergien von Söhnchen genommen hat. Ich wollte wissen, ob es Probleme mit den absorbierenden Fäden geben könnte, und er hat sich tatsächlich ans Telefon gehängt und ist bis in die Entwicklungsabteilung des Herstellers vorgedrungen, um herauszufinden, was tatsächlich in diesen Fäden drinnen ist. Zusätzlich hat er seine OP-Technik angepasst, um die Menge dieser Innen-Fäden so klein wie möglich zu halten.

    Sowas kann ich mir in einem Krankenhaus einfach nicht vorstellen, da hätten die Ärzte gar nicht die Zeit dafür.

    • Mara sagt:

      Ja, ich war auch komplett froh, dass die OP ambulant erfolgen konnte! Stimmt, die OP-Reihenfolge wurde bei uns auch erst drei Tage vorher festgelegt, wir waren die zweiten, so dass wir ihn erst relativ kurz vor der OP wecken mussten und er den Hunger gar nicht erst so spürt. Mit unserer Kinderklinik bin ich im großen und ganzen auch ganz warm, aber die Krankenhäuser für die Großen… puh, da liegt einiges im argen. Es freut mich aber sehr, dass meine Erfahrung da jetzt keine Einzelerfahrung ist und dass es bei euch auch so gut gelaufen ist!

  • das mit dem „kinder und jugendliche zuerst“ ist in meiner klinik auch so. ich bin meist als erste an der reihe, das maximale ist die dritte stelle. nur zweimal musste ich wegen not-op’s lange warten. für viel ablenkung sorgen die pflegekräfte und docs auch immer. ich darf auch immer mein eigenes kissen von zuhause mitnehmen, weil die op-kissen so hart sind. handy und kopfhörer dürfen auch mit in den op/awr.
    jeden monat, wenn meine fliegerzeitungen rauskommen, weiß ich schon, dass ich an einem der beiden monatlichen op-termine eine bekomme 😀
    von daher. noch nie empfand ich einen besuch im op als beängstigend, anstrengend oder sonstwie unangenehm. sogar das pieksen kann lustig sein – meine venen halten fünf anästhesisten/pflegekräfte ne stunde auf. ich seh’s mit galgenhumor und finde das irgendwie total lustig. xD oft frage ich mich, ob es für mich oder doch eher für’s personal schlimmer ist 🙂

    • Mara sagt:

      ach du, … du bist ja profi …und deine arme sehen inzwischen aus, als wärest du ein drogenfuzzi, oder? ich stelle mir gerade vor, wie die armen da eine stunde fluchend vor deinen venen verzweifeln, 😉 .
      der tipp mit dem kissen ist aber gut, im aufwachraum wartete auch das lieblingskuscheltier und die lieblingskuscheldecke auf ihn.

      • ja, das mit den armen/händen, etc. stimmt. ich hab überall so kleine helle punkte drauf. manche sind etwas dicker, andere sind kleiner. wie ein junkie 😀

      • Mara sagt:

        sohni hat die immer noch auf dem handrücken von seiner frühchenzeit, ich hoffe, die gehen irgendwann mal weg. was ist denn deine droge? propofol? die hatte der kleine riesensohn – und er war gar nicht verwirrt hinterher. ich wünsche dir weiterhin gute venen! liebe grüße!
        ps das mit der fliegerzeitschrift ist ja total nett!

      • ja – unter anderem propofol.. 😀 oft wird für die einleitung sufenta oder alfentanil benutzt, nach einigen sekunden, die man auf die wirkung wartet, kommt dann das propofol. 🙂 ich bin auch nie so richtig verwirrt hinterher, gucke aber laut meiner mutter ziemlich komisch. 😀 meist brauche ich im awr noch was gegen schmerzen, das wäre dann oxygesic, ab ca. 3mg aufwärts. das macht dann nochmal ne runde high. 😀 midazolam (der saft, den man vorher bekommt) macht mich immer merkwürdig guckend, seeeeehr lustig drauf (ich krieg so ein blödes daruergrinsen, hab ein megapeinliches foto davon… 😀 und finde alles lustig, was mit mir passiert. außerdem spreche ich dann verlangsamt) ist aber ganz witzig. nicht nur für mich 😀

      • Mara sagt:

        ob die das absichtlich so zusammenmischen, damit die chirurgen mehr spaß an der arbeit haben? 😉

  • Toll, dass es bei euch so gut geklappt hat! (und du es so gut vorbereitet hast!)

    Wir hatten auch schon eine OP, aber ich durfte leider nicht mit rein bis sie eingeschlafen war…
    Ich habe beim „abgeben“ der Tochter am OP zufällig eine Diskussion unterm KH-Personal mitbekommen. Da gingen die Meinung auseinander, ob es zu großer Stress für das Kind (ein anderes) sei, wenn es aufwacht, und die Eltern sind nicht da, oder ob man es einer Mutter nicht zumuten können, vor der Tür zu warten, bis die OP vorbei ist (um dann das Kind gleich in Empfang zu nehmen). Wie gesagt, ich habe das zufällig mitbekommen und erst da gemerkt, dass der eigentliche Ablauf viel besser hätte besprochen werden müssen. Bin da wohl zu blauäugig…
    Es ging aber trotzdem alles gut.

    • Mara sagt:

      ich stelle es mir halt, besonders für ein kleines kind beängstigend vor, in einem op raum mit lauter vermummten leuten zu liegen … daher fand ich es total gut, wie unsere leute das gemacht haben. bei meinen eigenen krankenhauserfahrungen habe ich einfach gemerkt, dass der reibungslose ablauf im vordergrund stehen sollte. auch mit den beiden frühchen auf der frühchenstation war das so, da wurde ich nicht einmal informiert, wann der augenarzt kommt etc., da fühlte ich mich schon sehr entfremdet. ich freue mich für euch, dass alles gut gelaufen ist! das ist doch das wichtigste!

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