Verlängerter Yoda-Sprech

16. November 2012 § 5 Kommentare

Maxe hat ein neues Wort gelernt: „Doof.“

Seither ist vieles „doof“. Der Regen, die Kälte, der Ärgerbär Sohni, der seinen weniger wortgewaltigen Bruder mit „Madse Kaka-Wuast!“ ärgert.

Maxe lässt sich aber auch mit allem aufziehen.

„Maxe ist ne Schnatterente!“ gackert der kleine Riesensohn.

„Naaiiin!“ wutbrüllt Maxe.

„Mama ist ein dreibeiniger Hocker!“ ärgert Melek weiter.

„Mama naaain ocker!!“ wehrt sich Maxe.

Ganz und gar nicht doof ist dagegen das Bücherlesen. Das geht immer. Abends ist Maxe der letzte, der die Lust daran verliert, und morgens der erste, der ein „Bu!“ lesen will. Notfalls im Schein der Handytaschenlampe. Und er spricht. Endlich.

„Mume da!“ zeigt er auf die Blume,

„Wa“ ist der Frosch, der im „Wassa“ wohnt. Heute habe ich ihn zum ersten Mal „Quak“ sagen hören, nicht den Frosch, den Maxe. Es geht voran.

„Popo“ ist zwar weiterhin das Synonym für „Sitzen“, aber wenn wir ihn auffordern, quält er sich auch das heraus. „Schneiden“ ist ein fieses Wort, aber mit gestischer Unterstützung – Handkante schneidet Brotscheibe – ist auch das zu verstehen. Sohni kämpft ja auch noch mit dem bösen „S“, „Sp“ oder gar „St“, „Biefel“ zum Beispiel, das ist noch ein nettes Wort. „Bielen“ sagen beide, wenn das Spiel doch gerade so schön ist.

Geblieben ist das „mehr“, das Nachfolgewort von „Uah“, was der universale Begriff für „weiter“, „mehr“, „groß“ u.ä. ist.

„Mehr“ wird nun gebraucht für „Das Glas ist noch nicht voll, mehr Saft, sonst trinke ich GARNICHTS!!“, „der zweite Schuh fehlt noch und ICH ziehe den nicht an“ oder „Ich will noch ein Buch lesen.“, aber auch „Weiterblättern, aber zackig!“.

„Danke“ und „Bitte“ klappt auch schon ganz gut, vor allem freiwillig, was mir ganz wichtig ist. Ich gehöre eher nicht zu den Müttern, die „Jetzt sag `Danke´!“sagen, ich flüstere es ihnen eher zu: „Freust du dich? Dann darfst du auch `Danke´sagen, Schneckchen.“

In der Abarbeitung unserer Ärzteliste ist der HNO-Arzt übrig geblieben. Da will ich eigentlich hin, um Maxe erneut testen zu lassen, ob er vielleicht schwerhörig ist, was ich nicht glaube, denn er versteht uns, auch wenn wir ihn nicht direkt ansprechen. Auf der anderen Seite puzzelt er für sein Alter ungemein gut. Er schaut nämlich auf die Motive und ob die zusammenpassen. Kinder diesen Alters schauen ansonsten eher auf die Form, wie mir die Erzieherin erklärte. Maxe hat einfach andere Prioritäten.

Jetzt diskutiere ich mit mir, ob ich den HNO-Arzt noch hinauszögere. Die Erzieherin kriegt es irgendwie nicht gebacken, mir einen Termin für ein Elterngespräch zu vermitteln. Der Ehemann soll dabei sein und der Logopäde, der mir vermutlich eindringlich vermitteln soll, dass das Kind Logopädie benötigt. Der Ehemann kann aber nur dienstags, und der Logopäde ist nicht immer da. Ich frage jetzt nicht mehr, sondern warte gelassen ab. Denn wenn Maxe mit mir alleine ist, dann lesen wir Bücher und das Kind traut sich zu reden. Bei jedem neuen Wort oder erkanntem ohne Vorsprechen benannten Wort gibt es ein „gib mir fünfe“ mit Handklatschen, und er lächelt stolz. Also folgere ich, dass er schlicht mehr Ruhe braucht.

Als ich ihn gestern abholte, saß er – zwar umringt von anderen Kindern, aber ungestört – auf dem Bauteppich der Hasengruppe und man sah ihm an, dass er dieses Ungestörte sehr genoss. Er wollte auch gar nicht mitkommen, also packte ich ersteinmal Sohni ein, der mit Melek in der Säbelzahntiger-Gruppe herumhopste.

Wenn Maxe also vor allem Ruhe und Zeit mit jemandem alleine braucht, der ihm sein Tempo lässt, dann – bin ich vermessen? – kann ich ihm das auch geben. Es erfordert nur mehr Planung.  Bis Januar werde ich uns Zeit geben. Ich sehe ja, dass er auf dem richtigen Weg ist. Und sein Bruder redet zwar mehr, aber befindet sich ja auch immer noch in der Phase des Yoda-Sprech: „Ich da gangt, Audo kommt,“ oder „Ich Brot g´schneidt!“  Sehr energisch ist auch sein „Ich Melle nicht weh tan!“ wenn dieser sich mal wieder beschwert, Sohni hätte ihm auf die Finger getreten.

Und ich bin guten Mutes. Melek redete auch erst spät, aber nun wie ein Buch: „Mama“, erklärt er mir, „die Irina hat das Flusspferd in die Ecke geworfen, obwohl ich ihr sagte, sie soll das nicht machen. Sie ist doch schon ein Schulkind, sie sollte es eigentlich besser wissen, nicht wahr?“ oder „Ich verstehe das so, dass x nicht mit dem y zusammenpasst, oder, Mama?“ Und er benutzt sogar nicht so weit verbreitete Worte wie „Wenn man auf dem Meer ist und Durst hat, dann kann man einen Eimer ins Wasser tunken, um damit Wasser zu holen.“ Wer benutzt denn „tunken“? Wir lesen wohl zu viele Märchen 😉 .

Über die Weihnachtsferien werden Maxe und ich die Patentante besuchen. Der Knaben-Papa dagegen wird mit Zwerg Vielquatsch und Zwerg Ärgerlino die Knaben-Oma heimsuchen. Die freut sich drauf. Und wenn es dann keine Wortsprünge gibt, geht es zum HNO-Arzt und anschließend zum Pädaudiologischen Zentrum. Und Sohni kommt gleich mit.

Aber ich denke, das wird schon.

Maxe lernt ja schnell von seinen Brüdern.

Heute morgen zum Beispiel, da strahlte er mich an: „Mama!“ kicherte er: „Du Kaka Wuast!“

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§ 5 Antworten auf Verlängerter Yoda-Sprech

  • waldmeister sagt:

    Hi Mara,
    Habe erst Anfang und Ende gelesen, und mich schon weggelacht.
    „Mama, Du Kaka Wuast!” ist ja genial! Hauptsache, die Motivation stimmt, oder? 🙂

    • Mara sagt:

      Also, so wie er es gesagt hat, war es einfach nur süß. Keine Spur von Ärgerbär. Danach war ich noch „Mama Maus“ – das fand er ungefähr genau so lustig. 😉

      • waldmeister sagt:

        Ach ja, ist doch gut wenn man sich amüsiert. Meine bringen jetzt „ZIckezacke Hühnerkacke“ aus dem Kindergarten mit. Dann zickezacken wir um die Wette und bekringeln uns.
        Ich kenne auch Mütter, die sich aufregen. Ich versteh nur nicht ganz, warum.

  • Friederike sagt:

    Robin ist inzwischen auch eine richtige Plaudertasche. Gestern hatten wir den ganzen Tag zusammen und vereinbarten zwischendurch mal (auf meinen Wunsch, ich geb‘ es zu) eine zehnminütige Redepause. Die musste auch nur ganz kurz für etwas ungemein Wichtiges 😉 unterbrochen werden.

    Hat irgendwer gesagt, dass es mit der Zeit einfacher wird?

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