Aber hallo, Maria!

22. November 2012 § 6 Kommentare

Sehr geehrte Maria,

wir kennen uns nicht, Sie weilen nicht mehr auf dieser Erde und die ganze Geschichte liegt auch schon einige hundert Jahre zurück, aber dennoch, ich habe das Bedürfnis, Ihnen zu schreiben.

Mal ehrlich. Schwangerschaft ist kein Spaziergang, und auf der Fahrt ins Krankenhaus habe ich trotz weich gepolsteter verstellbarer Autositze jedes Schlagloch gespürt. Aber hochschwanger auf einem Esel durch die Gegend zu zockeln, wenn das Ziel auch noch eine miefige Hütte voller Schafsköttel ist – das ist ein Wahnsinn!

Und dann eine Geburt mit einem jungen Kerl an der Seite, der sicherlich nicht allzu viele praktischen Hebammenerfahrungen vorzuweisen hatte, keine PDA aus der Tasche zaubern konnte und das Kind dann – pragmatisch wie Männer halt so sind – kurzerhand in eine Futterraufe verfrachtete. Aber hallo!

Noch mal ehrlich: Ich bin ja schon ausgetickt, als der ansonsten beste Ehemann von allen im Kreißsaal beschloss, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, mit seiner Mutter zu telefonieren, von der Nacht mal ganz zu schweigen, als ich verzweifelt versuchte, ihn an irgendeinem Telefon zu erreichen und immer wieder nur an die Mailbox geriet – die Welt könnte untergehen, dieser Mann würde das glatt verschlafen!

Ein Haus voller Besucher wollte ich damals ganz sicher auch nicht haben, und bei Ihnen stand gleich ein ganzer Haufen wildfremder (und vermutlich ungewaschener) Männer in der Tür und wollte sich das Baby angucken, das dann gleich noch eine überirdische Morddrohung erhielt. Oh Mann!

Maria, ich wollte nicht tauschen. Ich finde das Mutterdasein auch im 21. Jhr. bisweilen hart genug. Aber meinen Respekt, den spreche ich Ihnen aus, und zwar einen ganz großen. Wenn auch posthum sozusagen.

Mit freundlichen Grüßen in den Himmel,

Ihre Mara Solanum.

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§ 6 Antworten auf Aber hallo, Maria!

  • Vivi sagt:

    hahahaha, das ist im wahrsten Sinne des Wortes „göttlich“! Habe sehr gelacht. Danke!

  • Papagena sagt:

    Stimmst, Maria war echt hart im Nehmen!
    Und geschenkt hat ihr niemand was.

    Immerhin, sie hatte einen Mann an ihrer Seite der sich (nehme ich stark an) um sie gesorgt hat und ihr beistand…
    Für mich völlig unfassbar sind die Geschichten von jungen Mädchen, die alleine auf einer Autobahnraststätten-Toilette ein Kind zur Welt bringen. Hallo?!
    Bei dieser Vorstellung erfasst mich immer eine abgrundtiefe Traurigkeit.
    Wie kann ein Mensch so sehr im Stich gelassen werden?

    Zurück zu Maria: die schmunzelt sich bestimmt was über diesen tollen Post!

    Gruß,
    Papagena

  • Franziska sagt:

    Sehr schön! Nach der Erfahrung ist es ja auch kein Wunder, dass Jesus ein Einzelkind geblieben ist ;-).

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