Schneekönige

12. Dezember 2012 § 2 Kommentare

(Nachtrag zum Wochenende)

In unserer Gegend fällt selten Schnee, und wenn, dann bleibt er nur einige Tage liegen. Also nutzen wir jede Flocke, um dem Wintervergnügen zu frönen.

Wir müssen allerdings schneller als die Nachbarn sein, die fast schon panisch ihren Straßenabschnitt frei schippen.

„Jetzt ist es schon fast wieder zuviel!“ stöhnt da schon der eine Nachbar, während er emsig drei Zentimetern Neuschnee um die Ecke bringt.

Also morgens gleich flugs raus, bei drei biologischen Weckern ist das kein Problem.

Des Schlittens schlimmster Feind

Erstes Ziel: Das Gäßchen neben unserem Haus, das einen einigermaßen steilen Abschnitt bereit hält. Mara schließt die Kinder im Hof ein, stapft in Winterstiefeln mit Profilsohlen einige Meter bergwärts und hält dann an – den Schlitten startbereit vor sich -, weil sie das brummige Knurren eines größeren Wagens von oberhalb vernimmt.

Das Auto kann ich ja noch vorbei lassen, denkt sie und schaut dem Fahrzeug entgegen. Ein Schneeräumfahrzeug! Ich fasse es nicht! In einer Nebennebenstraße! Doch halt! Die Feger sind oben, der schneefegt also gar nicht!

Erleichterung bricht durch, bis der Schneefeger sich in der Hinteransicht als Salzstreuer entpuppt, der fleißig seinen Dienst tut. Das Eis knackt und zischt, als es schmilzt und sich ein Bächlein seinen Weg nach unten bahnt.

Was zum Geier?!

Schwupps-Wachs-Jubel

Der nächste Halt: Der Parkplatz hinter dem Blumenladen. 4° Neigung, zehn Meter Länge, aber mit einem kräftigen Schwupps fährt das Schlittchen, dem ich noch Kerzenwachs auf die angerosteten Kufen gerieben habe. Den Kindern reicht es, sie jubelieren und wollen „nochmal!“

Am Nachmittag geht es in den Park, der zwar auch keine rekordverdächtigen Steigungen enthält, aber einen relativ langen, geraden, leicht abschüssigen Weg, der – und das ist die Hauptsache – weder gebürstet noch gestreut, sondern herrlich plattgetreten und also sogar ein bisschen glatt ist.

Gefährliche Geschosse

Der Vater steht unten, um die Kinder notfalls aufzufangen, die Mutter stiefelt hoch und los geht die Fahrt. Wer hätte gedacht, dass zwei Zwillinge und eine dicke Mutter auf 50 cm Schlittenlänge passen? In Schneeanzügen! Nagut, einen Zwilling musste ich mir unter den rechten Arm klemmen.

„Das sah ganz schön gefährlich aus“, verteidigt sich der ansonsten beste Ehemann von allen, der vor dem Gefährt das Weite gesucht hatte. Zum Glück läuft der Weg in einer schneefreien, bremssicheren Zone aus.

Alle Kinder, bis auf Maxe, der nach der ersten Fahrt fortwährend „nach Hause“ vor sich hin murmelt, wollen immer weiter fahren und lassen es sich nicht nehmen, den Schlitten selbst hinauf  zu ziehen, sogar Maxe, der für seinen Bewegungsdrang jetzt nicht so wahnsinnig berühmt ist, will schließlich ziehen und fahren, allerdings nur mit der Mama; er ist ja ein vorsichtiges Kind.

Sohni, der Tausendsassa, fährt egal mit wem, Melek will desöfteren auch mal alleine fahren, und wartet auch immer ohne Aufforderung ab, bis der Weg ganz frei ist. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

„Mama“, erklärt er mir, während er startbereit auf dem Schlitten hockt, das Seil in den Handschuhen, „ich warte noch, bis das Mädchen da weg ist, der Mann, die Frau, der Hund, der Schlitten von dem, der Papa und die … .“ Aber irgendwann hat es dann doch geklappt.

Männermüdigkeit

Um fünf Uhr abends schaffen wir es gerade noch bis zur nächsten Bushaltestelle, so erschöpft sind alle Kinder. Vielleicht war das Schlittenfahren doch ein bisschen viel, wo wir doch erst am Tag zuvor zwei Stunden im Schwimmbad waren und Melek sogar mehrere Male mit uns „Black Hole“, die Riesenrutsche im Dustern hinuntergesaust ist. Was habe ich gequiekt!

Melek will jedenfalls um sechs ins Bett, Maxe ist um sieben in den Federn,  Sohni folgt wenige Zeit später ins Lummerland.

Am Sonntag schlafen alle bis halb acht! Und wursteln den ganzen Tag über still vergnügt vor sich hin. Nur nach draußen will irgendwie keiner.

Advertisements

§ 2 Antworten auf Schneekönige

  • Was gäbe ich drum, wenn es nur 3 Zentimeter Neuschnee wären!
    Von mir aus könnte der Schnee ruhig ein wenig gleichmäßiger übers Land verteilt sein. Dann könntet ihr öfter Schlitten fahren und wir müssten weniger Schnee schaufeln ;-).

    • Mara sagt:

      ich hab´s schon bei euch gelesen und musste grinsen. schneeschippen gibt aber super muskeln! immerhin. bei uns wird ja gleich der schnee versalzen. und derzeit ist auch schon wieder nix mehr da.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Schneekönige auf Das zweite Kind sind Zwillinge.

Meta

%d Bloggern gefällt das: