Vier Kakteen in Betlehem

21. Dezember 2012 § 6 Kommentare

Oder: Was passieren kann, wenn man eigentlich nur Ersatzbatterien für P1020873die Brio-Bahnen-Loks kaufen will.

Vier Männer und eine Lady im Biberbaumarkt:

Der Mann an der Info schraubt mit Engelsgeduld die winzigen Schrauben aus den Bähnchen und gemeinsam fahnden wir nach den Batteriefächern. Ergebnis: Die eine Bahn hat gar keins, die andere funktioniert nicht mehr, auch nicht mit neuen Batterien. Ich meine mich zu erinnern, sie im Sommer mal auf der Dachterrasse gesehen zu haben. Als es regnete.

Aber wo wir schon mal da sind, stiefeln wir noch durch die Weihnachtsabteilung, wo der beste Ehemann von allen eine Tanne entdeckt. „Ein Mordstrümmer, schau mal, und ganz billig.“

„???“

„Na, keine echte Tanne, so eine mit Kerzen!“

Tatsächlich, ein sechsarmiger Leuchter im Tannenbaumstil. Fast so stillos wie ein Pferd mit einer Lampe auf dem Kopf.

Stattdessen wende ich mich den Palmen zu. Bzw. irgend etwas Grünem, das nach betlehemischer Vegetation aussehen könnte.

„Haben Sie Zedern?“

erkundige ich mich bei der Frau mit dem Grünen Daumen, die damit beschäftigt ist, Wildwuchs von einer Ecke in die andere zu transportieren.

„Zedern??“ fragt sie zurück.

„Ja“, erwidere ich, „ich habe gelesen, dass in Betlehem Zedern wachsen und ich will so was Stilechtes. Als Weihnachtsbaum. Sie wissen schon. Für über die Krippe.“

„Weihnachtsbaumzedern haben wir nicht.“

„Nee, so eine kleine im Topf. Da stelle ich den Stall drunter.“

„Eine Zeder können Sie nicht im Wohnzimmer halten!“

„Will ich ja auch nicht. Im Frühjahr soll sie ja raus.“

„Tut mir leid, aber“, sie deutet mit dem Kopf ins dunkle Nass vor den Fenstern, „derzeit ist keine Pflanzsaison. Da haben wir keine Zedern.“

„Nagut, dann zählen Sie mal alle Pflanzen auf, die in Betlehem wachsen.“

Die Frau mit dem Grünen Daumen lacht: „Das schaffe ich nicht. In zwei Stunden habe ich Feierabend!“

„Dann drei Beispiele! Bitte!“

Wir wandern zu den Palmen, lassen die Strelitzien links liegen und gelangen zur Mittelmeerecke.

„Der sieht doch schön aus“, meldet sich der beste Ehemann der Welt zu Wort und deutet auf etwas, das aussieht wie ein Olivenbaum aus Gullivers Reisen. Ein Olivenbonsai. Daneben wirkt unsere Krippe vielleicht ein wenig zu groß, aber ja, es passt.

P1020875„Mit Kakteen können Sie auch nichts falsch machen“, behauptet Frau Biberbaumarkt und empfiehlt uns einen Blick auf die winzigen Kakteen zu werfen. Kakteen in Betlehem???

Schließlich marschieren wir mit vier Kakteenchen und einer Mini-Olive in den Außenbereit und stalken noch den Weihnachtsbaumeintüter, der neben der Weihnachtsbaumeintüt-Röhre steht und unterkühlt aussieht.

„Boh, Sie Armer“, smalltalke ich, um von den starrenden Blicken der Zwillinge abzulenken, die völlig gebannt vom Anblick dieser technischen Vorrichtung in die Röhre gucken, „stehen Sie schon den ganzen Tag hier?“

„Den ganzen Tag!??“ bekomme ich Antwort, „seit VIER Wochen stehe ich hier!“

„Wahnsinn!“ staune ich, „wechseln Sie sich denn nicht ab?“

Ein „Hmpf“ und „Meine Lieblingsjahreszeit ist das nicht“ ist die Antwort.

„Wieviele haben Sie denn schon eingetütet?“

„3.000 Weihnachtsbäume!“

erfahre ich. Ich bin ehrlich beeindruckt.

„Die musste ich alle aus ihren Netzen holen und jetzt stecke ich sie wieder in Netze.“

Na, das ist ja mal ein Job. Glücklicherweise werden noch drei oder vier Tannebäumsche angeschleppt und eingenetzt. Die Zwillinge staunen.

Mir frieren die Hände ab. Flugs nach Hause, ins Warme. Den Weihnachtsbaumeintüter beneide ich nicht.

Jetzt haben wir also endlich auch einen Weihnachtsbaum. Der kleine Bonsai ist zwar nur 23 cm hoch, aber er überragt immerhin fast das Vogelhäuschen, das unserer Heiligen Familie als Geburtshaus dient. Alles da. Weihnachten kann starten.

Jetzt muss ich nur noch die Maria wiederfinden.

P1020871

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein Frohes Weihnachtsfest und an dieser Stelle – der Blog macht Winterschlaf – bereits ein gutes neues Jahr. Am vierten Januar sind wir wieder online. Auf zu neuen Abenteuern!

Eure Mara.

P1020874

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§ 6 Antworten auf Vier Kakteen in Betlehem

  • Mamachaos sagt:

    Wie Winterschlaf, das geht doch nicht! Nein, die Welt geht unter, Winterschlaf, was kommt denn noch alles?

    Zedern? Als ich anfing zu lesen, fand ich das etas exentrisch, aber ich muss sagen deine Bilder sind sehr stimmungsvoll!

    Liebe Grüsse, wundervolle Weihnachten und schlaft gut! (Grmpf)
    Nathalie 🙂

  • Mara sagt:

    Ich mag halt diese Weihanchtsbäume nicht. Aber exzentrisch? Hohoho! 😉 Liebe Grüße, Mara

  • MiA sagt:

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben wunderbare Weihnachten! Eure Idee mit dem Olivenbäumchen finde ich genial, auch wenn ich nicht auf meinen Tannenbaumduft verzichten mag, hihi.
    Genießt die Tage, ich hoffe, sie sind ruhig und schön.
    Rutsch mir gut mit deiner männlichen Rasselbande ins neue Jahr, ich freue mich auf neue Geschichten aus dem Hause Solanum.

    Liebe Grüsse,

    deine MiA

  • Christina sagt:

    Hallo,

    ich bin sehr traurig!
    Und zwar, weil ich deinen Blog erst jetzt gefunden habe.
    Jetzt ist aber auch erst die Zeit gekommen, wo ein wenig Müßiggang im Netz überhaupt möglich ist,seit 15 Monaten, so alt sind meine zwei männlichen einiigen Monster mittlerweile.

    Traurig, weil ich ein wenig Aufmunterung schon viel eher gebraucht hätte.

    So langsam kehrt Entspannung in unser Leben und endlich wissen wir ganz genau, dass nur Gelassenheit und ganz viel Humor unsere einzige Rettung sind!

    Ganz toller Blog!!!
    Vielen Dank dafür!
    Christina

    • Mara sagt:

      Liebe Christina, ich freue mich sehr, dass dieser Blog dir ein wenig Aufmunterung verschafft. Du hast recht, ohne Humor und eine Portion Gelassenheit (XXL) geht es schier nicht. Als die Zwillinge etwa ein Jahr alt wurden, ging es auch bei uns bergauf. Und jetzt, wo sie im Kindergarten sind, geht es mir um Dimensionen besser und es ist viel schöner.
      Ganz, ganz liebe Grüße und dir ein schönes Weihnachtsfest,
      die Mara

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