Drachentatzenhausschuhtränen

14. Januar 2013 § 13 Kommentare

Wenn der kleine Riesensohn so stolz auf seine neuen Hausschuhe ist, die fellig und punktig und mit Krallen versehen sind und die er bekommen hat, weil seine Brüder die auch bekommen haben, weil sie die zu ihrem Drachenkostüm anziehen sollen und hoffentlich wollen, und mich darum bittet, eben diese Schuhe auch im Kindergarten benutzen zu dürfen und auch darum, dass ich die Wikingerhausschuhe mit nach Hause nehmen soll,

und wenn wir dann mit diesen wundervoll lustigen Hausschuhen in den Kindergarten kommen und der beste Freund des kleines Mannes mit dem Finger auf die Schuhe zeigt und lacht,

und wenn dann der kleine Riesensohn sich voller Scham hinter meinem Rücken versteckt, sich auf meinen Schoß gleiten lässt, den Kopf an meiner Brust ge- und verborgen, stumme Tränen auf meine Jacke rollen und die Hausschuhe, die so toll sind, plötzlich gar nicht mehr toll sind und zwischen uns versteckt werden sollen,

dann brennt meine Seele vor verschluckten Tränen und ich streichle seine zarte Haut und drücke ihn an mich und wünsche mir, dass sein Kummer in mich übergeht und er wieder unbeschwert und mutig lachen kann, vielleicht auch mitlachen,

dann ist er wieder klein und zart, mein Baby im Tragetuch und ich fühle den ganzen Weltschmerz eines kleinen Jungen und denke an ihn, während ich am Schreibtisch die Gewürze sortiere und bremse meinen Drang, im Kindergarten anzurufen und zu fragen, wie es ihm geht.

Dann hoffe ich einfach, wenn ich ihn nachher abhole, dass er wieder lacht und auch sein Freund lacht, aber nicht über ihn, sondern die beiden zusammen. Vielleicht sogar über die Drachentatzenhausschuhe.

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§ 13 Antworten auf Drachentatzenhausschuhtränen

  • Tanja sagt:

    Das tut weh, richtig weh – selbst beim Lesen!
    Ich drück die Daumen, daß er Dir später lachend entgegenhüpft … MIT Drachentatzenhausschuhen!

    • Mara sagt:

      Die musste ich wieder mit nach Hause nehmen, heimlich unter dem Mantel. Aber er kam mir entgegengelaufen und meine Frage an ihn, ob es ihm gutginge, beantwortete er mit: „Häh? Wieso, was war denn?“ Ich: „Na, heute morgen warst du so traurig, weil Emil gelacht hat.“ „Achsoo“, sagte er, „jetzt ist alles wieder gut.“
      Als ich ihn abgab, spielten die beiden übrigens schon miteinander. Wenn auch ohne Drachentatzen. Er nimmt sie jetzt als Zuhause-Hausschuhe – so wie sie auch gedacht waren. Gähn, ihr anderen, ich antworte euch morgen.
      Allen Leserinnen und dem Leser eine gute Nacht! Mara

  • tine sagt:

    Ach Gott, das geht mir ja richtig zu Herzen! Bestimmt fängt er sich bald wieder. sniff….

    • Mara sagt:

      Heute morgen fragte er noch mal, warum Hendrik gelacht habe… Ich sage ihm, es erfordert Mut, Dinge anders zu machen. Manchmal hat man den Mut, manchmal nicht. Bleibt es beim Keksebacken? Hast du ein Rezept?

      • tine sagt:

        Bleibt dabei, aber ich konnte nicht einkaufen,, wir müssen also ein Rezeot finden, was wir mit dem machen können, was ich da habe

  • aleXXblume sagt:

    Ach ja, solche Situationen kenne ich so gut… und das Mutterherz leidet jedes Mal wieder aufs Neue mit. Unsere Kinder müssen aber auch lernen, dass nicht jeder die Dinge gleich sieht – und dass es vor allem auch ganz normal ist, dass nicht jeder den gleichen Geschmack hat. Ich male meinen Kindern dann immer eine Welt aus, in der alle die selben Klamotten anhaben, alle die gleichen Spielsachen im gleich möblierten Zimmer, es gibt immer das gleiche Essen usw… da wird ihnen schnell klar, dass das ganz schön öde wäre. Vielleicht hilft das ja beim nächsten „Schock“ ?!

  • torenia sagt:

    Oh weh.
    Solche Situationen kenne ich auch…
    Das zerreisst einem fast das Herz. *schluck*

    Meine Mäuse sind jetzt 14 und 11 – und auch in diesem Alter gibt es immernoch und immer wieder solche Situationen.
    Ich versuche mir dann immer selbst Mut zu machen und den Kindern gegenüber tapfer zu sein… Ist nicht einfach.

    Ich drück Dich.
    Schreibst Du, wie es ihm und den Drachentatzenhausschuhen noch weiter ergangen ist??

    • Mara sagt:

      Soweit ich sehe, geht es ihm gut. Heute morgen hat Emil schon sehr auf ihn gewartet, weil wir so spät dran waren. Und Melek wollte ganz schnell zu ihm. Die Freundschaft hält. Und gestern sind wir schwimmen gegangen, das tat mir gut und ihm auch.

  • MiA sagt:

    Wie gemein… =( Da würde ich auch mitweinen innerlich. Aber bestimmt war der beste Freund nur ganz arg neidisch.

    • Mara sagt:

      Also die Frage ist, ob es wirklich ein Auslachen war. Emil meinte, er fand die Schuhe einfach total witzig. Und das sind sie ja auch. Wer weiß, wie es war, aber Emil sagte, er habe ihn nicht ausgelacht. Das ist doch schon mal eine gute Aussage.

  • Da muss ich schon beim Lesen fast mitweinen!
    Wie war seine Laune am Mittag?

  • Mara sagt:

    Besser. Und im Schwimmbad war er dann ganz in seinem Element. Im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwo in seinem Stammbaum müssen ein oder zwei Meerjungfrauen gewesen sein.

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