Die Macht der Schokobrötchen

24. Januar 2013 § 4 Kommentare

Was ich ja ganz vergessen hatte zu erwähnen: Nach jahrelangen Zweifeln, ob das Kind (Maxe) überhaupt physisch wie psychisch dazu in der Lage ist, seine Schuhe anzuziehn, hat ein simpler Test genügt, um den Beweis zu erbringen: Er kann. Wenn es was zu essen gibt.

Und das war so: Ein Samstag wie viele, aber dieses Mal mit Frühstück in unserer Frühstückskirche, zu der der beste Ehemann von allen alle Kinder mitnimmt, damit die älteste Studentin der Welt arbeiten kann. Alle sind angezogen, Maxe fast auch, bis – der geneigte Leser ahnt es schon – auf die Schuhe.

„Kannniiiich! Papaaaaaa! Heeelfen!“ jammert Maxe, der auf der untersten Treppenstufe sitzt und Panik schiebt, weil die übrigen Männer der Familie mehr oder weniger bereits auf dem Weg zum Auto sind. Panik vermutlich nicht nur, weil er einen Ausflug mit Papa verpassen könnte (wir haben die Theorie, dass er dem Papa sosehr anhängt, weil dieser (nach diversen Krankenpflegern) sein nächtlicher Fläschchengeber war), sondern ganz sicherlich auch deshalb, weil es in der Frühstückskirche Schokobrötchen gibt.

„Schatz“, wage ich den Test, „zieh mal deine Schuhe an, ansonsten bleibst du halt hier.“

Eiskalt, nicht wahr? Mir fröstelte vor meinem eigenen Mut. Immerhin hätte ein Nichtfunktionieren ein Daheimbleiben von Herrn WilderWut bedeutet. Wie soll man da denn was über Ölpalmenöl und Kokosnüsse schreiben?

Aber es klappte. Nach etlichen Minuten Weinen, Wüten und Hilfegeschrei, schob er seine Füßchen in die Schuhe und rannte hinaus, dem Papa und seinen Brüdern hinterher. Es ist schon erstaunlich, welche Macht Schokobrötchen haben können.

Gestern aber hatte er mich. Fast. Ich bin aber nur beim ersten Schuh drauf reingefallen.

„Mamaaaa! Du dei Duhe ausziehn, Arm weh!“

Ich ziehe einen Schuh aus.

„Duh ausziehn, Arm weh, da!“ Maxe zeigt seinen Arm und vergisst einen winzigen Moment lang seinen jammervollen Gesichtsausdruck. Meine Rache war grausam und so wandt er sich glucksend und gackernd unter meinen kitzelnden Fingern. Aber er ist schlau. Die Schuhschlacht geht weiter. Ich werde berichten …

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§ 4 Antworten auf Die Macht der Schokobrötchen

  • tine sagt:

    Schön 😉 Aus der Ferne.

    Bei uns lief es gestern so ab:
    Madame kippt aus Zorn die Teetasse überm Tisch aus. „Mamaaa! Nass! Neue Hoseeee!
    Mutter (sauer) „Das machst du mal schön selbst.“ Ehe ich mich versehe, steht sie frisch angezogen neben mir.
    Es geht nämlich, und zwar sehr gut. Was allerdings bequemer daran sein soll, stattdessen so lange zu schreien und zu weinen und sich auf den Boden zu werfen, bis ich es mache, ist mit sowas von schleierhaft…

  • Ich habe mein Kind zur U-Untersuchung mit Eis bestochen, um nicht gleich wieder eine Therapie am Hals zu haben. Hat geholfen.

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