Die Brille an der Himmelspforte

19. Februar 2013 § 6 Kommentare

Unser Geld ist budgetiert. Also das Taschengeld der erwachsenen Mitglieder unserer Familie. Wobei ich ja finde, dass Brillen nicht vom Taschengeld bezahlt werden sollten. Aber 50% des Eherates sieht das leider anders.

Also werde ich die neue alte Brille erst am Ende des Monats abholen. Neuer Monat, neues Glück Geld. Aber seitdem ich die Brillengläser bestellt habe, blicke ich ganz anders in die Brillengesichter der Passanten. Und siehe da! Rund wird wieder moderner, altmodisch retro auch.

Ein wenig Sorge macht mir, welche Menschentypen retro bevorzugen. Da wäre zum Beispiel die klassische Pädagogenbrille. Klein, silber, rund. Der neue Erzieher im Kindergarten um die Ecke trägt so eine. Meine große Brillenliebe ist immerhin braun. Silber steht mir einfach nicht. Außerdem ist sie größer als meine Pupillen. Aber das hat praktische Gründe.

Dann die Frauen. Frauen, die runde, retro-chice Brillen tragen, wirken alle ein wenig öko, mindestens vegetarisch, beinahe vegan. Auf jedenfall riechen sie nach Bioladen.

Tja, und all das bin ich. Möchtegernvegan, laienhafte Profimutter mit pädagogischem Allroundwissen, nur der Bioladen ist mir zu teuer. Ich muss ja sparen. Für die neue Brille.

Die schwarze Kleidung passt auch nicht so ganz dazu, ist aber möglicherweise ein Hinweis auf mein wahres ich, Mara, die verkannte Künstlerseele!

`Bingo!´durchfährt es mich an diesem Punkt meiner Betrachtungen wie ein Blitz,`vielleicht kann ich meine außerordentliche literarische Begabung dazu einsetzen, die ganze Sache ein wenig zu beschleunigen! Mit einer charmant vorgetragenen, witzigen und gleichzeitig intelligenten Geschichte?´

„Ehemann!“ falle ich dem besten Ehemann von allen um den runden Bauch, als dieser sich des Abends durch die Haustür schiebt. Bei fast 40 Zentimeter Größenunterschied reiche ich nicht so ohne weiteres an den Hals heran.

„Ich habe eine wundervolle Geschichte gehört! Sie beginnt an der Himmelspforte!“

Der Ehemann äugt misstrauisch nach unten.

„Ein Mann klopft an die Himmelspforte. Petrus öffnet. Und fragt nach seinen guten Taten. Nach der besten, nach der guten Tat, die ihm die ewige Liebe seiner Frau eingebracht hat. `Ja´, antwortet der gute Mann, `um ihre meine ewige Liebe zu beweisen, habe ich heimlich die Brillenfiliale ihres Vertrauens – FIEL.MANN NEBEN DEM NORDSEE-RESTAURANT – herausgefunden und bin dann dahin und habe ihre Brille schon VOR Ende des Monats abgeholt.´“

„DAS war die gute Tat?“ fragt der Ehemann ungläubig.

„DAS war die gute Tat“, bestätige ich und bin rundum zufrieden mit dem Effekt, den diese heitere Geschichte ausgelöst hat, „total einfach, oder? Muss MANN nur drauf kommen.“

Der Bauch giggelt und gluckst. Ab morgen schalte ich einen Gang höher. Mit Lyrik greife ich nach den Sternen. Poesie, die auch Männerherzen schmelzen lässt.

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