panic room

12. März 2013 § 10 Kommentare

In keiner anderen Situation treten die unterschiedlichen Einstellungen zur Welt des Lebendigen so deutlich hervor wie bei der Mäusejagd.

Elisabeth hatte sie zuerst entdeckt.

„DAAAAVIIIIIDDDD!“ gellte ihr Schrei schreckensbleich durch das Treppenhaus.

Wenn sie gewusst hätte, dass David vor einigen Jahren mich zu wahrhaft früher Morgenstund weckte, damit ich die fremde Katze aus unserem Wohnzimmer entfernte, die sich dort mutmaßlich drei Tage lang versteckt und unsere meine Kaulquappen aufgefressen hatte, dann hätte sie wohl eher nach Mara gerufen.

Die Knaben-Oma war ja auch noch da und redete beruhigend auf Elisabeth ein, die nur noch „Ich habe noch nie eine Maus gesehen, in Kolumbien gibt es keine Mäuse“ vor sich hinwimmerte.

Wo eine Maus sei, das seien noch viele, erklärte meine Mutter, so schnell wie die sich vermehrten. Sie selber hätten einmal 54 (!) Mäuse im Haus gehabt und auch alle gefangen. Zu diesem Zeitpunkt überlegte ich, wie viel Blut noch aus Elisabeth Gesicht entweichen müsse, bis sie ohnmächtig darniedersänke.

Elisabeth ist möglicherweise nicht der klassische Naturbursche. Den Wald etwa hat sie nie wieder betreten, nachdem ich ihr erklärt hatte, sie solle sich am Körper nach Zecken absuchen und ihr drei Stück an Maxes Körperchen gezeigt hatte.

Mit anderen Worten, Elisabeth war zur Mäusejagd nur eingeschränkt zu gebrauchen, Maxe hielt sich verängstigt auf allen erhöhten Plattformen auf, Melek beobachtete das Treiben neugierig und Sohni lag bäuchlings auf dem Boden und wies uns fasziniert die Richtung: „Da Maus!“

„Und was soll ich jetzt machen?“ brummelte der Ehemann, der in Unterhosen und Wochenendbart am Montag morgen wortlos mit einer Kiste ausgerüstet wurde.

„Fangen“, erläuterte meine Mutter und hob demonstrativ ihren Blumenkübel, während ich versuchte, das Mäuschen mit einem Besen hinter der Vitrine hervorzufegen.

„Die ist viel zu schnell“, knurrte der Ehemann, „und außerdem muss ich jetzt zur Arbeit. Heute abend bringe ich Mausefallen mit.“

Es folgten noch sehr finstere Blicken, als ich „aber Lebendfallen, nicht wahr, Schatz“ säuselte.

Da steht sie jetzt, die Lebendfalle, seit gestern Abend. Meine selbst konstruierte Falle hatte das Viech betreten, den Käse gefressen, rein gekackt und dann schleunigst wieder verlassen. Ein paar Stunden hat sie noch. Dann kommt der Ehemann wieder. Und bringt Fallen mit, aber „richtige“.

Ich geh lieber nochmal nachschauen.

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§ 10 Antworten auf panic room

  • Cristina sagt:

    Weisst was dieMäuse richtig gerne fressen? Chips! Damit habe ich bisher jede Maus im Haus/Keller gefange.

    Viel Glück

    • Mara sagt:

      Die Lebenfalls funktioniert leider nur mit diesem Duftstoff. Den soll die Maus berühren, woraufhin sich das Tor schließt. Wenn heute abend die Todesfalle kommt, benutzen wir gerne Chips. *seufz*

  • Elli sagt:

    Wir haben gute Erfahrungen mit Nutella gemacht. Unsere Mäuse standen voll darauf und die kann man nicht einfach aus der Falle herausziehen, weil sie so schön klebrig ist…

  • Kalliope sagt:

    Schokolade und/oder Rosinen!

  • tine sagt:

    und wenn du ihr sagst, dass Mäuse die Spinnen und Schlangen wegfressen,die sonst in ihrem Zimmer wären? Vielleicht nimmt sie dann lieber die Maus?

    (Es muss doch auch einen Vorteil haben, dass es in Kolumbien keine Mäuse gibt.)

    • Mara sagt:

      Ich bin sicher, dass es in Kolumbien auch Mäuse gibt. Elisabeth ist der Fauna halt abgeneigt. Ich erwähne Spinnen und Schlangen lieber nicht. Sonst kommt sie nie wieder zum Babysitten.

  • Lulu sagt:

    Laut wiki sind Mäuse auch in Kolumbien heimisch.

    Was natürlich nicht heißt, daß man dort unbedingt schon mal eine gesehen haben muß. Ich habe hier in D. auch erst einmal eine (nicht in Gefangenschaft oder im Zoo lebende) Hausmaus gesehen. Sie hauste in meinem Zimmer, ernährte sich wohl vom Wellensittich-Futter im Schrank, sah eigentlich ganz niedlich aus, aber nervte doch gewaltig mit den nächtlichen Rascheleien…

    Ich hab‘ sie der mütterlichen Instanz gemeldet, die gab das weiter, und das war das Ende des hübschen Mäuschens…

    Mein Freund hatte, als er in Österreich auf dem Dorf lebte, direkt am Weinberg, ständig Mäuse in der Bude. Haben ihm seine liebsten Seidenhemden in diversen Mustern zerfressen. (Danke, ihr lieben kleinen Nager.)

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