Und Heidi wartet mit.

18. März 2013 § 6 Kommentare

Die Zeit im Krankenhaus vergeht hauptsächlich mit Warten.

Warten, bis die Notfallambulanz besetzt ist, warten, bis die nette Schwester in altrosa uns in das Behandlungszimmer ruft, warten, bis die hinzugezogene Neurologin da ist und warten auf das Taxi, das uns in die Uniklinik fahren soll, damit sich die HNO-Ärztin die geschwollene Nase ansehen kann.

Anschließend erfolgt Warten in der Lounge der nietennagelneuen und mit einem interdisziplinären Team besetzten Notfallambulanz, in der es an einem Donnerstag Abend zugeht wie in einer amerikanischen Arztserie.

Heidi wartet mit.

Um den kleinen Riesensohn vor seelischen Schäden zu bewahren – ein riesiger Bildschirm zeigt mordende Muskelmänner – , erkundige ich mich bei der kleinen Frau, die hinter der gewöhnungsbedürftig gelb beleuchteten 3 Meter hohen Theke vor einem Computerbildschirm hockt, nach einem anderen Fernsehkanal, und komme somit in den Genuss von Puff-Mutti T.o.pmodel Heidi, die ihren sechszehnjährigen Mädels gerade ein neues Outfit verpassen lässt. Heidi ist noch schlimmer als ich es mir vorgestellt hatte.

„Was machen die da, Mama? Ist das Werbung?“ wundert sich der kleine Riesensohn.

„Nee, das ist einfach eine Horde junger Damen, die beim Friseur hockt“, neutralisiere ich die Realität. Glücklicherweise erkundigt er sich nicht danach, weshalb man dies halbnackt tun müsse.

Das Warten in der Lounge reicht gerade noch für ein Interview mit einem der rosaäugigen Models in spe, die ob der gefallenen Haare den Tränen nahe ist. Dann werden wir einen Flur weiterversetzt und schließlich in den Behandlungsraum gerufen, wo eine freundliche Ärztin die dicke Nase checkt und uns mit der beruhigenden „Ich kann nichts feststellen“-Diagnose wieder entlässt.

Das Arzt-Durchschnittsalter in deutschen Notfallzentren: 16,4 Jahre

Ärzte und Ärztinnen im Notfallzentrum weisen ein geschätztes Durchschnittsalter von 16,4 Jahren auf und sehen außerdem ziemlich gut aus. Sogar die dunklen Augenringe wirken irgendwie stylish. Vielleicht liegt das aber auch an den coolen Klamotten. Jedenfalls bin ich fast ein bisschen traurig, dass das Taxi so schnell da ist.

In der Kinderklinik selbst liegt das Durchschnittsalter nur unwesentlich höher, was an dem weißhaarigen Ober-oder-ähnlichem-Arzt liegen mag, der von einem Rudel 14jähriger in weißen Kitteln verfolgt wird. Die Visite.

Sie beginnt am nächsten Morgen und am anderen Ende des Flures, Zeit genug also, sich eine zweite Tasse Kaffee zu besorgen und sich mit einigen seriösen Frauenzeitschriften weiterzubilden.

Der Fünf-Stunden-Brief.

Das Warten auf den Durchgangsarzt, der den Abschluss-Check machen soll, zieht die Krankenhaus-Durchschnittswartezeit dann gehörig wieder nach unten, denn anstatt – wie angekündigt – am späten Nachmittag, erscheint dieser schon vor dem Mittagessen auf Station, erklärt den kleinen Riesensohn für entlassungsfähig und weist uns an zu warten, bis der Arztbrief getippt sei, und schon fünf Stunden später sind der kleine Riesensohn und ich mit unserer prall gefüllten und bunt bedruckten DM-Einkaufstasche wieder auf dem Weg nach Hause.

Und lieber, lieber Ehemann, wenn du uns das nächste Mal eine Kliniktasche packst, dann nimm doch bitte meine in dezentem schwarz gehaltene Reisetasche (die mit dem Reissverschluss!!) und lege die Damenmonatshygieneartikel nicht ganz nach oben auf unsere übrigen Utensilien, wenn du sie im Schwesternzimmer abgibst. Mille, mille gracias!

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§ 6 Antworten auf Und Heidi wartet mit.

  • Flower sagt:

    Hallo Mara !!!

    Schön, dass mit Deinem Sohn wieder alles ok ist!

    Ich wollte mich noch einmal herzlich bedanken für die innovative CD, die uns nun aus Südtirol erreicht hat!

    Das ist ja mal wirklich was Innovatives! Ich hatte das erst mal nur überflogen und war dann ganz überrascht, dass der Name des Kindes nicht nur auf die CD steht, sondern sogar in das Lied eingebaut wird! So etwas kannte ich noch gar nicht. Sehr kreativ und echt zu empfehlen! Ein neugeborener Schatz in unserem Freundeskreis wird sich sehr darüber freuen! 🙂

    Was unsere Heidi angeht: Treffend beobachtet, hihi! 😉

    Viel Glück weiterhin für Dein Studium und viel Erfolg als angehende PR-Managerin! 🙂

    Flower

    • Flower sagt:

      Uppps, meine Rechtschreibung hat wohl eben noch geschlafen! 😉

    • Mara sagt:

      Liebe Flower, ich fand die CD-Idee auch eine sehr schöne Geschenk-Idee, und es freut mich, dass ein kleiner Wicht sie jetzt bekommen wird. Dem kleinen Sohn geht es wieder gut, danke der Nachfrage. Liebe Grüße, Mara.
      P.S. Heidi hat mich darin bestärkt, den Fernseher nicht über Gebühr zu strapazieren.

  • tine sagt:

    Habe mich kaputtgelacht über deinen Mann 🙂 . Ich kann mir die Situation sehr gut vorstellen, aber immerhin hat er sie Tasche im Schwesterzimmer deponiert und nicht im Brüderzimmer. Meiner hätte die Sachen verschämt und unfindbar ganz unten in der Tasche versteckt.

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